Heute, à la veille des Geburtstages der Kaiserin-Mutter, war dazu ausersehen, um im Familienkreise mir das Ja-Wort der Prinzessin Augusta förmlich zu geben! Die Familie war dazu um 11 Uhr bei der Großfürstin versammelt; die Großfürstin empfing mich im Neben-Zimmer, wohin mich der Großherzog geleitet hatte und umarmten mich beide dort zum Erstenmale als zu ihnen gehörig; sie führten mich nun zu den Übrigen, legten unsere Hände in einander, worauf ich Augusten in die Arme sank, freilich, ohne ein Wort sprechen zu können!!! Die Großherzogin umarmte mich mit einer Herzlichkeit und Innigkeit und solcher Rührung, daß ich fast alle Fassung verlor; so waren denn auch Mary und Carl von einer Herzlichkeit und von einem so tiefen Gefühl, daß ich nie, niemals diese Scene schon wegen Aller Teilnahme vergessen werde, wenn nicht sie es wäre, welche mein Lebensglück mir sichert! Ja! dies kann ich mit aller Überzeugung aussprechen, denn ich habe Augusten in diesen Tagen so ganz kennen gelernt und gesehen, daß ich mich nicht einen Moment in ihr getäuscht habe und sie von jeher richtig beurteilte. Ich preise Gott, der mir in seiner Gnade dies Glück nach so manchem Sturm zu Teil werden läßt und kann nur zu ihm flehen, daß er mich würdig erhalte, dies Glück zu genießen und der Prinzeß das Glück zu bereiten, was mein einziges Streben von nun an sein wird!
Ihr Segen und der der teueren, unvergeßlichen Mutter wird mir nahe sein, jetzt und immerdar, wenn ich mich dessen würdig zeige! Dazu gebe Gott mir die Kraft!
Seit meinem letzten Briefe an Sie hatte ich die Unterredungen mit den zwei Eltern und der Großmutter. Ich kann nicht genug rühmen und loben, wie sehr sämtliche Herrschaften mich mit Gnade und Barmherzigkeit empfingen bei diesem entscheidenden Schritte. Da die Großfürstin sehr wünschte, den heutigen Tag abzuwarten, so konnte ich nach einigem Sträuben doch nichts dagegen einwenden, und ich gab nach.
Wie unendlich gut und liebevoll Augusta in diesen Tagen für mich war und wie ich nun heute seit dem entscheidenden Moment so ganz ihre Liebe zu mir erkannt habe, vermag ich nicht zu schildern. Ich verstehe mich manchmal selbst nicht, denn so wenig bin ich gewohnt, ein Glück festzuhalten und zu besitzen. Die ersten Worte, die mir Augusta heute sagte, zeigten mir eine Tiefe des Gefühls, die sie mir über Alles teuer macht; sie sagte: Möchte ich Ihnen doch jemals die ersetzen können, die ich ersetzen soll! Zweimal wiederholte sie diese Worte! Mehr vermag ich nicht zu sagen!
Sie werden mir wohl erlauben, nun noch 8 bis 10 Tage hier zu bleiben; den Oberst von Lützow sende ich aber nach Berlin mit dieser Freuden-Post, zugleich, weil er meine Geschäfte endlich übernehmen muß. Sie erlauben doch gewiß auch an Karl und Mary nun noch einige Tage über Urlaub zu bleiben, da der erteilte vierwöchentliche Urlaub das heutige schöne Ereignis nicht voraussah.
Die Briefe für Petersburg hat der Oberst Lützow und Sie haben wohl die Gnade, wie bei Karls Versprechung einen Feldjäger mit denselben an die Kaiserin-Mutter zu senden[44]. Den Brief für den Großfürsten Konstantin werde ich morgen nachsenden. Die Großfürstin wünscht, daß bis zur Antwort von der Kaiserin-Mutter Alles noch in Nebel gehüllt bleibe; ich soll es Ihnen ausdrücklich als ihren Wunsch mitteilen. Die Antwort aus Warna[45] wird aber wohl nicht abzuwarten nötig sein. Gott sei Dank, daß Warna über ist. Das war eine Freude und ein Jubel gestern, als ich beim Diner die Estafette mit dieser Nachricht erhielt. Also heute lauter Freude und Frohsinn.
Ich umarme Sie in Gedanken, teuerster Vater, und bitte, der Fürstin mich mit meinem Glück zu Füßen zu legen. Sie wird die Namens-Schwester gewiß freundlich empfangen. Ihren Segen anflehend
Ihr Sie zärtlichst liebender Sohn
Wilhelm.
Weimar, den 31. Oktober 1828.
.... Vor allem war Augusta so gerührt, über Ihre gnädigen Ausdrücke und Bestellungen[46], daß sie kaum die Bestellung dafür an Sie mir auftragen konnte, die jedoch dahin zuletzt lautete: daß sie eigentlich keine Worte in solchem Augenblicke für Sie finden könne, daß sie zu gerührt und beschämt über Ihre Gnade sei und sich so glücklich fühle, Ihnen von nun an näher anzugehören und daß sie nur wünsche, auch in der Folge Ihre Gnade und Liebe zu verdienen. Daß sie sich derselben würdig zeigen wird, kann ich täglich mit mehr Überlegung aussprechen, denn täglich gewinnt Augusta mehr in meinen Augen, in meiner Liebe und Achtung. Doch ich mag ihr Lob nicht zu hoch im Voraus spannen, um sie nicht in der Wirklichkeit hinter demselben zurückbleiben zu sehen...