.... Sonst hat die Großfürstin sehr viel Fassung dies Mal gezeigt ... hauptsächlich sagt sie immer, daß ihr der Anblick meines Verhältnisses zu Augusta Ruhe und Frieden wiedergäbe. Sie ist gegen mich von unendlicher Liebe und Herzlichkeit, denn sie sieht mich wie ein Vermächtnis der Kaiserin an, die mich viel mehr kannte als sie bisher und ihr immer so gnädig und liebevoll von mir gesprochen hat...

Wie mir bangt, Sie nach Allem wiederzusehen und zu umarmen, können Sie sich denken. Auf 14 Tage nahm ich von Ihnen Abschied und nun bin ich im dritten Monat schon abwesend.

Wegen des Wiederkommens[48] wird gegenseitig die Zeit zu Weihnachten gewünscht, wo Sie mir vielleicht erlauben, auf 8–10 Tage herzugehen. Die Zeit der Verlobung ist hier noch unschlüssig, teils zum 30. Januar als dem Geburtstag der alten Großherzogin, teils zum 15. Februar als dem Geburtstag der Großfürstin gewünscht, weil dann auch die Hälfte der neuen Trauer um ist. Ich hätte nicht gewünscht, vor der Verlobung wieder herzukommen; doch bei der nun eingetretenen Verzögerung muß ich diesen Plan wohl aufgeben, um so mehr, weil die Verzögerung jetzt einen anzuerkennenden Grund hat, der früher, in meinen Augen, mangelte... Auch habe ich der Großfürstin gesagt, daß ich vermutete, daß nunmehr bei uns wenigstens kein Geheimnis mehr aus meiner Versprechung gemacht werden würde, da keine Antwort mehr, leider, abzuwarten sei.

Weimar, den 8. Januar 1829.

.... Es scheint ja am politischen Himmel ganz einig mit einem Male auszusehen, in Beziehung auf Griechenland, indem Rußland, Frankreich und England jenes Land als unabhängig gegen die Pforte erklärt haben sollen und daß jeder Schritt von Seiten der Türkei, durch gewaffnete Hand diese Unabhängigkeit anzutasten als ein Angriff auf die drei führenden Mächte betrachtet werden würde. Da dies ganz und gar die Ansicht ist, welche der Kaiser von Österreich und noch mehr Fürst Metternich mir aussprach und es auch wohl die Ihrige gewiß ist, so wäre also in dieser Beziehung eine völlige Einheit der Ansicht eingetreten, wenn nicht Österreich seit den zwei Monaten wieder umgesattelt hat[49].

Berlin, den 5. Februar 1829.

Gestern Abend habe ich die Einlage als Antwort der Großfürstin auf meinen Brief erhalten, in welchem ich ihr in Ihrem Auftrage von dem Zeit-Punkt meiner Vermählung sprach. Daß diese Antwort nicht gleich günstig ausfallen würde, konnte ich wohl vermuten. Daß sie aber so abgefaßt sein würde, wie Sie sehen werden, mußte ich weit entfernt sein zu erwarten, da sie in Ausdrücken und einem Tone geschrieben ist, die ich noch niemals gehört habe. Zum Glück habe ich eine Abschrift der gedachten Stelle meines Briefes behalten, welche ich hier beifüge, um Ihrem eignen Urteile es zu überlassen, ob eine solche Antwort zu erwarten war und jemals zu billigen ist.

.... ich bemerke, daß jene einzige Conversation, welche ich mit der Großfürstin über den Vermählungs-Termin hatte, gar nicht oberflächlich und unvollständig war, denn wir hatten eine Stunde conferiert, als wir unterbrochen wurden; aber Alles war de part et d’autre völlig durchgesprochen, wie ich es Ihnen damals schrieb.

Daß ich neulich nicht wieder von dem Gegenstande sprach, war bei der erneuten Trauer sehr begreiflich. Und jetzt, wo also ein Austausch der Ansichten eingeleitet wird, erhalte ich diese Antwort, die mir vorwirft, im vernichtenden Tone geschrieben zu haben und die Pretension aufstellt, daß Sie hätten selbst schreiben müssen...