Die Mitteilungen kürzlich über unsern Finanz-Zustand haben allgemeines Interesse erregt, da sie den Flor desselben ankündigen. Mir, als Militär, ist dabei natürlich die ersparte Summe von 600000 Tlr. beim Kriegs-Etat in die Augen gesprungen und wenn ich freilich vermuten muß, daß diese Ersparnis für andere militärische oder allgemeine Staats-Haushalts-Angelegenheiten verwandt worden ist, so hat sich bei mir der Wunsch aufgedrängt, ob nicht ein Teil dieser Summe zum Etat des Kriegsministers gebracht werden könnte und zwar, um dafür unsere Cavallerie-Regimenter zu verstärken. Diese Argumentation scheint mir dasjenige zu sein, was Ihre Armee am notwendigsten bedarf, sobald die Finanzen es erlauben. Da Sie selbst vor Kurzem die Ansicht aussprachen und ich durch die Anschauung der starken russischen und österreichischen Cavallerie-Regimenter erneut auf die Wichtigkeit der Argumentation der unsrigen aufmerksam ward, so habe ich mich mit diesem Gegenstande beschäftigt... bei der Wichtigkeit des Gegenstandes und der vielleicht disponiblen Fonds unterstehe ich mich, hierauf aufmerksam zu machen, hoffend, daß diese freilich unberufene Einmischung mir von Ihnen nicht ungnädig aufgenommen werden wird.

Weimar, den 6. Juni 1829.

Um 11 Uhr bin ich hier angelangt und habe Alles wohl angetroffen, wenngleich auch Alles durch die bevorstehende Trennung und die vielen Abschieds-Scenen recht wehmütig gestimmt ist.

Vor allem soll ich aber melden, daß die Groß-Fürstin und der Großherzog sich entschlossen haben, nunmehr auch zur Vermählung nach Berlin zu kommen. Die Großfürstin fragte mich, ob sie es ohne Ihre Einladung tun dürfe; ich erwiderte, daß es den Eltern wohl nie benommen werden könne, ihr Kind zur Vermählung zu begleiten. Nun, dann soll mich der Kaiser beim König melden, sagte die Groß-Fürstin; der Großherzog wird Ihnen selbst dieserhalb schreiben... Sie können sich denken, wie froh Augusta und ich über diesen Entschluß ihrer Eltern sind, der den Abschied noch etwas hinausschiebt. Es ist kaum möglich, unter schöneren und froheren äußeren Auspizien eine Vermählung zu feiern; man könnte ganz hochmütig werden, wenn man nicht die Demut zu Hilfe nimmt. Gott gebe eine so glückliche Zukunft, als der Moment schön ist.

Halle, den 7. Juni 1829.

Die glücklich erfolgte Ankunft Augustens an Ihrer Grenze und im ersten Nachtquartier Merseburg eile ich Ihnen sogleich zu melden. Der heutige Morgen war natürlich ein schwerer Moment für meine arme Braut. Früh 7 Uhr waren wir in der Kirche, wo wir Stärkung und Fassung erflehten. Der Lehrer Augustens predigte und recht von Herzen. Bis 11 Uhr blieben wir dann beisammen en famille. Um halb 12 erfolgte die Abreise. Ich fuhr fort, als das Abschiednehmen begann. An der Grenze erwartete ich Augusta, wo sie kaum eine halbe Stunde nach mir eintraf und ich sie im neuen Vaterlande bewillkommnete. Im starken Regen verließen wir Weimar, aber an der Grenze schien die Sonne herrlich und warm. Möge es ein günstiges Vorzeichen meiner Zukunft sein. Wie glücklich ich mich fühle, Augusta bei uns zu wissen, begreifen Sie. Und nun auch zu sehen, wie sie sogleich nach der schweren Trennung eine Stütze in mir sucht, ist mir unbeschreiblich rührend und tröstlich.

Von der Grenze bis Merseburg fehlte es denn auch nicht an unzähligen Ehrenpforten, Reden, Gedichten, weißgekleideten Mädchen. Alles war sehr hübsch geordnet, ordentlich und herzlich. Morgen will Augusta noch in Merseburg dem Gottesdienste beiwohnen und um 10 Uhr abreisen. Ich habe mich der Etikette wegen hierher begeben, werde aber zur Kirche in Merseburg sein. Gott geleite uns gnädig in Ihre Arme und in die Mitte der teueren Familie.

Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Weimar, den 26. Oktober 1829.

Preußen scheint in einem nie gekannten Ansehen in Süddeutschland zu stehen und wohl sehr mit Recht. Ein Aufsatz im Hesperus, einer Dresdner Zeitschrift[52], zeugt hiervon aufs deutlichste, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Hier ist der Preußen-Sinn noch nicht der stärkste, was sich neuerdings durch den auf 12 Jahre verlängerten Zoll-Verband der kleinen Mächte erweiset. Ich habe hier mehrere der Herren gesprochen, die Alle wünschen sich anzuschließen an Preußen und Bayern ect., aber eine gewisse Rückschau ist allenthalben bemerkbar, die sie nie mit ganzer Sprache herauskommen läßt. Ich habe ihnen also die Zunge zu lösen gesucht und gesagt, daß wir wohl wüßten, daß Preußen von Wien aus als eine gefährliche, sich vergrößernde Macht geschildert würde, daß ich aber ersuchte, den Weg zu beobachten, den Sie seit 15 Friedensjahren gegangen wären, ob da wohl im geringsten eine solche Tendenz bemerkbar sei? Die embarassierten und widersprechenden und nichtssagenden Antworten, die ich darauf erhielt und die mir große Genugtuung waren, vermag ich hier nicht aufzuzeichnen. Auch an diesen Antworten habe ich gesehen, daß die Wahrheit ohne Rückhalt gesagt, Wunder wirkt, da man noch selten gewohnt ist, die Sachen und Verhältnisse beim rechten Namen zu nennen. Trotz dem 12jährigen Bunde kamen jetzt Deputierte nach Berlin, um zu einem gemeinsamen Bunde zu unterhandeln, also sind jene 12 Jahre eine reine Chimäre...