Weimar, den 5. November 1829.

Ich habe noch eine sehr lange und interessante Unterredung mit dem hiesigen Faiseur, Geheimrat Schweitzer[53], gehabt, den mir der Großherzog schickte, um über die Handels-Verhältnisse zu sprechen. Ich habe gegen ihn wie gegen Alle die gleiche offene und wahre Sprache geführt und die Satisfaction gehabt, zu sehen, daß auch dieser aus Verstand und Finesse zusammengesetzte Mann nichts einwenden konnte gegen die Tatsache, die ich anführte, nämlich daß ich niemals ein freundschaftliches Verfahren und kein annäherndes gegen Preußen darin finden könnte, wenn man sich in einem anti-Preußischen Bund auf 12 Jahre länger bindet, während man zugleich mit Preußen unterhandeln will. Da ich ganz und gar die Stellung Preußens so erkannt habe, wie Sie es angeben, so hoffe ich durch die freie Darlegung dieser unserer Stellung hier vielleicht Gutes bewirkt zu haben. Die Groß-Fürstin sprach mir heute ganz in diesem Sinne, nachdem sie noch vor wenigen Tagen, wie ich durch Augusta weiß, eine ziemlich andere Gesinnung offenbart hatte. Ja, sie ging sogar so weit, daß sie sagte: Sie müßten mehr tun, um Deutschland zu sich und von Österreich abzuziehen. Ich erwiderte, daß ich nicht glaubte, daß Sie dies tun würden, da mir dies auch nicht nötig schien, indem es nur Jalousie geben könne, auf der andern Seite aber Sie die Satisfaction bereits hätten, viele Mächte sich Ihnen nähern zu sehen, und in einem Worte faßte ich es so zusammen: Le Roi verra venir les autres.

Eine Klage, die ich öfters schon hörte und hier auch wieder, ist die, daß die Beamten nicht immer in dem geziemenden Tone zum Auslande sprechen und daß namentlich die Räte in den Ministerien und Regierungen darin fehlen und dadurch, daß sie in anmaßendem Ton reden und schreiben, sie mehr die Stimmung gegen Preußen als für dasselbe gewinnen. Eine Prüfung der Befehle in diesem Punkte dürfte gewiß nicht überflüssig sein, obgleich ich meine Überzeugung darüber dahin ausgesprochen habe, daß die Arrogance einiger Beamten doch unmöglich eine Mißstimmung gegen eine sonst so anerkannt erleuchtete Regierung erzeugen könne.

Das eigene Heim.

Berlin, den 11. März 1830.

Nachdem Sie so gnädig gewesen sind, für Carl und Albrecht bestimmte Palais zu ihren immerwährenden Wohnungen anzuweisen, darf auch ich wohl erneut mit der Bitte herantreten, auch uns ein wirkliches Palais verleihen zu wollen. Da freilich nun alle vorhanden gewesenen prinzlichen Palais, außer der Universität, zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgekehrt sind, so kann erklärlich nichts anderes übrig bleiben, wenn Sie die Gnade haben wollen, mich mit meinen Brüdern gleich zu stellen, als ein Privathaus zu wählen und dasselbe nach Palaisdimensionen einzurichten und umzubauen oder ein ganz neues zu erbauen. Zu letzterem Projekte lag Ihnen bereits früher ein Plan vor.

Wir können aber nicht leugnen, daß seitdem wir unser jetziges Haus bewohnen, uns die Lage desselben in jeder Beziehung so angenehm und so jeder anderen Lage vorzuziehen erscheint, daß wir den Plan gefaßt haben, dasselbe uns von Ihnen als bleibende Palais zu erbitten und es dieserhalb dem notwendigen Umbau zu unterwerfen. Wir haben daher einen Plan zu diesem Umbau selbst entworfen, ihn auch durch Geh. Rat Schinkel[54] prüfen und corrigieren lassen, und dieser Plan ist es, den ich Ihnen in der Anlage untertänigst vorlege[55].

Das Palais Wilhelms I. vor dem Umbau
Miniaturbild auf einem Prunktisch in den sogenannten Großherzoglichen Gemächern im Palais