Während des Baues selbst würden wir Sie gnädigst ersuchen, uns im Schloß eine Wohnung zu bestimmen, vielleicht einen Teil des großen Appartements des seligen Königs, sodaß ich meine alten Zimmer wieder bewohnen könnte. Auf diese Art wird keines des gewöhnlich im Gebrauch seienden Fremden-Appartements der Disposition entzogen.

Wir dürfen vielleicht um so rascher einer Entscheidung von Ihnen entgegensehen, da für diesen Sommer unserm Hause, wenn wir es so ferner bewohnen müßten, eine Hauptreparatur bevorsteht, indem das Dach fast ganz neu gebaut werden muß, die Schornsteine so baufällig sind und so feuergefährlich angelegt, daß die Balken seit mehreren Wochen, vom Putz abgefallen, in den Schornstein frei hineinstehen, daß sie neu gebaut werden müssen, wobei sämmtliche Plafonds ruiniert werden und wahrscheinlich auch die Tapeten; die Balkenlage zwischen den Etagen teilweise erneuert werden muß, wodurch also die Parquets und die ganzen Stuben ruiniert würden. Somit würde diese Hauptreparatur sehr viel Geld kosten und doch nur ein sehr schlechtgebautes Haus nur teilweise ausflicken.

Wie schön übrigens das neu zu schaffende Palais den Platz hier zieren würde, brauche ich kaum anzuführen, da es zu den übrigen schönen Gebäuden ein schöner Schluß sein würde, um so mehr, da, wie ich höre, die Statue Friedrichs des Großen hier vor unsern Fenstern errichtet werden soll.

Der Geheimrat Schinkel hängt freilich sehr an seinem früheren Projekt auf dem Packhofe, was gewiß sehr schön ist, aber wegen seiner zurückgezogenen Lage uns mit der hiesigen Lage nicht vergleichbar erscheint. Ich lege dieses Projekt auch wiederum bei[61] und bemerke nur, daß der Kostenbetrag desselben, wie ich ihn voriges Jahr angab, viel zu gering war und er nach den jetzt für den hiesigen Bau von Schinkel angenommenen Sätzen sich nicht auf 300000 Thlr. beläuft, sondern auf 415760 Thlr., wobei der Bau von zwei Quais und der Ankauf des Platzes (aus dem Museumsfond) nicht mit inbegriffen ist.

Um die Übersicht zu haben, wie die jetzigen Grundstücke, welche wir und Schuckmann bewohnen, zu einander liegen und gebaut sind und wie die projektierten Veränderungen sich dazu verhalten, habe ich den Plan C beigefügt. So sehr wir nun erwartungsvoll Ihrer gnädigen Entscheidung entgegen sehen, wohl einsehend, daß es nichts Geringes ist, was für uns wir von Ihrer Gnade erbitten, namentlich wenn ein Vergleich der nötig werdenden Summen gegen die Summe gezogen wird, welche Sie für Carl und Albrecht bewilligt haben, aber dies gehet lediglich aus dem Verhältnis hervor, daß bei uns nicht wie bei den Brüdern von der Einrichtung eines Palais zum Palais, sondern von der Umformung eines Privathauses in ein Palais die Rede ist, da keine Palais mehr vorhanden sind, wenn nicht das Projekt wieder aufgenommen würde, die Universität dadurch wieder disponibel zu machen, daß man sie nach dem dazu einzurichtenden Academiegebäude überträgt.

Sollten wir von Ihrer Gnade die Bewilligung der hier gemachten Vorschläge erlangen, so würden wir Ihnen unendlich dankbar sein, wie wir es schon für so viele Beweise Ihrer Liebe und Gnade ewig sein werden.

Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Berlin, den 29. April 1830.

Soeben erhalte ich ein Schreiben des Kriegsministers, eine Antwort auf den Vortrag, den ich ihm in Bezug auf meine militärischen Ausgaben gemacht hatte, in welcher er mir Ihre genommene Entscheidung über diesen Punkt mitteilt. Wenngleich ich gehofft hatte, von Ihrer Gnade einen Zuschuß zu erhalten, bei den ganz klar nachgewiesenen Mehrausgaben jährlich von 800 Rthlr., so muß ich Ihre abschlägige Antwort hierauf freilich ruhig hinnehmen, nicht so aber kann ich dies mit der Ankündigung, die Sie mir durch den Kriegsminister machen lassen, daß Sie mich vom Commando der ersten Gardedivision entbinden wollten, wenn mich dasselbe wegen meiner pecuniären Verhältnisse geniere. Vor 10 Jahren berief mich Ihre Gnade zu diesem Commando, noch in einem sehr frühen Alter. Als Sie mich wenige Jahre darauf an die Spitze des III. Armeecorps stellten[62], beließen Sie mir jenes Commando und da durfte ich wagen zu hoffen, daß Ihr Vertrauen und Ihre Zufriedenheit mit meinen Leistungen es war, die mich dieses Vorzuges eines doppelten Commandos würdigten. Die Anhänglichkeit, welche ich an dies mein erstes selbstständiges Verhältnis habe, sowie, ich darf es aussprechen, die Anhänglichkeit, welche mir jene Untergebenen seit 10 und 12 Jahren bewiesen haben, sind Ihnen nicht unbekannt geblieben; meinen ganzen Stolz setzte ich in das bewiesene Vertrauen, einem Commando vorzustehen, von welchem die Instruction in die ganze Armee übergegangen ist und jährlich übergeht. Und diesen mir so teuer gewordenen, ehrenvollen Posten lassen Sie mir jetzt anbieten, um 400 Rthlr. aufzugeben, nachdem Sie durch den Kriegsminister mir sagen ließen, daß Sie annehmen, daß die Prinzen Ihres Hauses es als eine Ehrensache betrachten würden, wenn Ihre Gnade ihnen Militärcommandos anvertraut. Ich darf es Ihnen nicht verschweigen, daß dies Anerbieten, aus diesem Grunde, mein Inneres so gewaltsam erschüttert hat, daß nur Tränen meinem gepreßten Herzen Luft machen konnten. Das Gefühl der Ehre ist in mir so rege, daß es sich nur mit dem Gefühl der Dankbarkeit vergleichen kann, welche mich belebt, daß Ihre Gnade mich berief, in ausgedehntem Wirkungskreise dieses den Militär-Stand allein leitende Princip immer mehr zu verbreiten und recht innig mit dem Geiste meiner Untergebenen zu verschmelzen. Daß Sie dies Ehrgefühl je bei Ihren Söhnen vermissen könnten, ist unmöglich. Unfähig werden Sie mich daher auch halten, aus Mangel an Ehrgefühl und um 400 Rthlr. weniger auszugeben, eine Stelle aufzugeben, die bisher mein Glück wegen ihrer Wichtigkeit und wegen Ihres bewiesenen Vertrauens machte. Sollte ich dies Vertrauen verloren haben, so bin ich jeden Augenblick bereit, einem Würdigeren meine Stelle zu überlassen.

Was nun jedoch den von Ihnen verminderten Zuschuß von 800 Rthlr. betrifft, so muß ich mich wenigstens über den Verdacht rechtfertigen, als wäre jene Forderung unbillig. Denn ich kann nur annehmen, daß dies der Grund ist, der mir Ihre Verweigerung zuzog. Ich unterstehe mich daher Ihnen hier meine ganzen pecuniären Verhältnisse darzustellen.