Der mir bewilligte Etat von 88000 Thlr. ist in seine bestimmten Etats abgeteilt und Ersparnisse bei denselben sind sehr unsicher. Für unsere Person beziehen die Princeß und ich jeder 6000 Thlr. von diesem Haupt-Etat, von welchem, wie Sie leicht denken können, bei der Princeß, die gar nichts von zu Hause erhält, nichts erspart werden kann; ich kann nicht nur nichts zurücklegen, sondern brauche die mir von Ihnen so sehr gnädig verliehenen 11000 Thlr. Zulage vollkommen. Sollten Sie eine Durchsicht meiner Rechnungen befehlen, so scheue ich diese nicht, da ich, eingedenk Ihrer Worte, als Sie mir jene Zulage gaben: „daß wir auch eine gute Anwendung von derselben machen sollten“ versichern darf, daß die Hälfte auf Unterstützungen verwendet ist. Der erste Jahresabschluß meiner Etats-Rechnungen hat eine Ersparnis von 4000 Thlr. ergeben. Davon sind 3000 Thlr. zur Reise nach Weimar gebraucht worden, so daß 1000 Thlr. erspart sind. Sollte eine solche Reise also auch nur ein Geringes mehr einst kosten, so ist gar kein Überschuß vorhanden. Dieser Fall dürfte bereits in diesem Jahre eintreten, wo die schlesische Reise, die zur Revue usw. vorkommen werden. An den mir bewilligten Inspektionsreise-Geldern wird fast nichts erspart, da sie nach dem Bedürfnis bewilligt wurden. Aus dieser getreuen Übersicht werden Sie sich gnädigst überzeugen, wie sehr mich eine, nun also zur Norm werdende Mehrausgabe von jährlich 800 Thlr. genieren muß, da die möglichen Ersparnisse nur hinreichen, extraordinäre Ausgaben wie Reisen ect. zu leisten. Was nun noch die Summe betrifft, welche ich mein Vermögen nenne, und welche aus den Ersparnissen seit meinen Kinderjahren besteht, die mir der General Braun im Jahre 1817 übergab sowie aus der Erbschaft von Mama und aus den Etatersparnissen bis zum vorigen Jahr, so beläuft sich diese auf 70000 Rthlr. Von denselben habe ich beinahe 30000 Thlr. teils zinsenfrei, teils verzinset nach und nach verliehen und dürften mehrere (Teile) dieser Summe, wie ich bereits mehrfach die Erfahrung gemacht habe, wohl nicht zurückzuerhalten sein, ohne geizig und indelicat zu erscheinen.
Das ist also die einzige Summe, über die ich disponieren kann, die sich aber, wie gezeigt, nicht vermehren, sondern nur vermindern kann. Wenn Sie nun gnädigst bedenken, daß ich noch keine Besitzung habe, also weder zur Acquerierung einer solchen noch zur Unterhaltung derselben diese Summe bisher verwandte, ich auch noch kein Palais besitze, dessen Einrichtung gewöhnlich die angeschlagenen und bewilligten Kosten, wie bekannt fast bei allen Bauten, übersteigt, Sie diese Mehrkosten aber, wie bei Carls Palais-Bau, nicht zu übernehmen die Gnade haben, so werden Sie sich ebenso gnädigst überzeugen wollen, daß ich alle Ursache habe, mit meinem sogenannten Vermögen haushälterisch umzugehen, ungerechnet, daß man doch vernünftiger Weise eine Summe sich für unvorhergesehene Fälle und für jede Zukunft zu erübrigen sucht.
Ihrer gnädigen Überzeugung und Ansicht muß ich es nun, nach dieser wahrhaften Darstellung, überlassen zu beurteilen, ob ich eine unbillige Forderung tat, wenn ich um 800 Thlr. Zuschuß antrug und bemerke ich nur nochmals, daß ich beim Generalcommando 6 Zulagen an Adjutanten zu zahlen habe, aus dem Militär-Zuschuß, während Fritz[63] mit demselben Zuschuß nur 3 Zulagen zahlt, hier also eine Vergleichung, wie Sie sie mir durch den Kriegsminister aufstellen lassen, nicht haltbar erscheinen dürfte. Daß ich diese Zulagen jedoch verringern sollte, kann wohl in Ihrer Intention nicht liegen, da es sich mit der Würde meiner Stellung nicht vereinigen läßt.
Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.
Der Hallenser Kirchenstreit.
Ems, den 19. Juli 1830.
Die Ereignisse zu Halle[64] in kirchlicher Hinsicht ziehen die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland ungemein auf sich. Überall hört man davon sprechen und ist sehr gespannt auf ihren Ausgang. Niemand kann sich denken, daß die zwei questionierten Professoren im Amt bleiben können, da eine bloße Verwarnung nicht ausreichend erscheint bei der allgemeinen Aufmerksamkeit, die die Sache erregt hat, und ein Exempel zu statuieren wohl im höchsten Grade notwendig geworden ist. Denn bei dem regen Leben für Religion und deren Wahrheiten, das sich jetzt wiederum zeigt, sollte ich meinen, könnte man der entgegengesetzten Richtung der verfälschten Religion nicht kräftig und bestimmt genug entgegentreten. Daher erscheint mir der Ausgang der Halleschen Händel ungemein wichtig in jeder Beziehung. Sehr schlimm ist es freilich, daß die gedruckte Dogmatik[65] dieser Herren so allgemein verbreitet ist, so allgemein nach ihr gelehrt wird und von allen rationalistischen Geistlichen, deren es nur noch zu viele gibt, den jüngeren Theologen empfohlen und gepriesen wird, so daß die Absetzung des Verfassers im Amt zwar noch nicht Allem abhelfen wird, aber doch Allen die Augen öffnen muß... Eine andere Klippe, die zu umschiffen bleibt, ist nun wieder die sogenannte Frömmelei, die affichierte Zungen-Religion, worin mir viel Eitelkeit und überhebendes Wesen zu liegen scheint, sowie ein böser Schritt zum Sectieren und Separieren. Ich höre, daß Herr v. Gerlach, der Bruder des meinigen[66], der jene Hallenser Dinge ans Licht brachte, auch in dieser frömmelnden Richtung sein soll und da wäre es auch wohl weniger eitel gewesen, wenn er die Sache nicht hätte drucken lassen, so ihm ja der Weg offen stand, Ihnen die Anzeige jener Abscheulichkeiten zu machen...