Berlin, den 29. März 1831.
Wenngleich ich nicht weiß, ob Ihr Vertrauen dem Prinzen Radziwill[86] beim nächsten Avancement in der Armee eine Regiments-Commando-Stelle verleihen wird, so wäre dies bei seinem Anciennitäts-Verhältnis doch möglich. Ich glaube es daher der Freundschaft für ihn schuldig zu sein, über seine Persönlichkeit und über die daraus etwa entspringende Wahl des ihm anzuvertrauenden Regimentes Folgendes zu sagen.
Sein sehnlichster Wunsch und der seiner Familie ist es, einst das 19. Infanterie-Regiment zu befehligen, indem er demselben nun schon so lange angehört. Der jetzige Commandeur, Oberstleutnant v. Valentini, hat diesen Wunsch sehr begreiflich gefunden, sich ganz erbötig erklärt, ein Regiment zu tauschen, wenn es Ihr Befehl sei. Später hat er jedoch seine Ansicht in dieser Hinsicht plötzlich geändert. Dem General Witzleben teilte ich schon vor längerer Zeit den Wunsch des Prinzen mit. Er erwiderte mir, daß der Prinz zu sehr Pole sei, als daß man ihm dies Regiment anvertrauen könne und daß mehrere Dinge über ihn in dieser Beziehung berichtet seien, die Sie nicht veranlassen würden, ihm das 19. Regiment zu geben. Ich teilte dem Prinzen diese ganze Unterredung und Mitteilung des Generals Witzleben mit. Er war darüber nicht verwundert, weil er sehr wohl wußte, daß man von Posen aus so über ihn berichte. Als Mann von Ehre begnügte er sich zu erwidern, daß er sich nicht rechtfertigen würde, sondern die Zeit entscheiden lassen wollte. Wie wenig er übrigens blind über die Polen ist, wird seine Mitteilung — schon vor einigen Jahren — beweisen, wo er mich benachrichtigte, daß der Geist in Posen usw. anfinge sich zu verschlechtern usw. und daß er dieserhalb beständig zu predigen habe.
Jetzt seit der polnischen Revolution wird, glaube ich, ein Jeder, der ihn unparteiisch hat sprechen hören, ihm das Zeugnis erteilen, daß man nicht richtiger das Verhältnis beurteilen kann als er; aber freilich kann ich ihn dabei nicht lossprechen, manches Ding, was unter dem Großfürsten Konstantin geschehen ist, bei seinem Namen genannt zu haben und vielleicht nicht immer vorsichtig genug. Aber Rebellion bleibe für ihn Rebellion, wenngleich das Interesse von seines Vaters Landsleuten ihm am Herzen liegt. Wenn er sich also in dieser Beziehung mancher Unachtsamkeit wirklich anzuklagen haben mag, so ist das doch sehr weit entfernt von einer Gesinnung, die Mißtrauen gegen ihn aufkommen lassen könnte. Ich darf es Ihnen versichern, Sie können keinen ergebeneren und treueren Offizier in Ihrer Armee haben als ihn, denn Wenige kennen ihn so genau wie ich...
Der Prinz wird natürlich jedes andere Regiment, das Sie ihm übergeben, als ein unschätzbares Vertrauen übernehmen, aber ein sehr schmerzhaftes Gefühl wird es ihm sein und bleiben, glauben zu müssen, daß man aus politischen Gründen ihm mißtraut und daher von seinem jetzigen Regimente entfernt. Verzeihen Sie gnädigst, wenn Freundschaft und Überzeugung diese Zeilen mir eingeben.
Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.
Belvedère bei Weimar, den 26. Juni 1831.
Die russische Remonte schlägt außerordentlich gut ein und ist wirklich jetzt magnifique; auch die Augmentations-Pferde sind sehr gut, so auch beim 3. Ulanen-Regiment. Leider kann ich nicht dasselbe von den sogenannten russischen Pferden sagen, welche das 2. Dragoner- und das 3. Husaren-Regiment als Augmentation erhalten haben für die außerordentlich guten, welche sie an die Regimenter des 4., 7. und 8. Corps haben vor 6 Wochen abgeben müssen. Diese sogenannten russischen Pferde sind nicht nur unter der Kritik schlecht, wenigstens zu Dreiviertel der ganzen Masse, sondern sind sie nicht einmal einstellungsfähig, was das Haupterfordernis dieser Augmentationspferde war... Der Kriegsminister ist freilich selbst sehr ungehalten auf diesen Ankauf und wenn er auch Ersatz stellen will, so kann er es doch nicht hindern, daß diese Regimenter statt in vier Wochen erst in mehreren Monaten schlagfertig auf die Kriegsstärke werden. Ich hatte es ihm vorher gesagt und bin wirklich sehr niedergeschlagen, weil meine Cavallerie die einzige in der ganzen Armee ist, der es so ergeht...
Im Neuen Palais, 30. Juli 1831.
In militärisch-cholerischer[87] Beziehung melde ich nur noch, daß auf Aufforderung des Generals v. Thile von gestern der Oberst v. Neumann angewiesen worden ist, eine Compagnie des Kaiser Franz Füselier-Bataillons und eine Escadron jenseits Stettin zu detachieren, indem die dortige Garnison nur 100 Mann disponibel zum Cordon bis zum Haff machen kann, daher die verlangte Aushülfe notwendig wurde. Das Füselier-Bataillon des ersten Garde-Regiments wird, wenn jene Lücke links geschlossen werden muß, auf dem rechten Flügel des Cordons diese Links-Schiebung ersetzen. Die Bataillone sind guten Muts ausmarschiert, um so mehr, weil die Soldaten nicht glauben, daß sie blos gegen die Krankheit, sondern gegen die Polen marschieren, wovon die nur mitgenommenen 15 scharfen Patronen sie nicht zu detrompieren vermochten. Die Bemerkung hörte man allgemein, daß man nach 16 Friedensjahren nicht erwartet hätte, zum ersten Male nach Osten und gegen eine Seuche wieder auszumarschieren und daß die westliche Richtung lieber eingeschlagen worden wäre, einen andern Feind findend. Wer weiß, was über kurz oder lang uns bevorsteht, dann ist die jetzige Zeit ein gutes Aguerriren...