Marienbad, den 17. Juli 1836.

Eine interessante Mitteilung hat mir der König von Württemberg gemacht, die über die Schlauheit Louis Philipps einiges Licht gibt. Schon vor 3 Jahren ließ Letzterer durch eine Dame aus Paris, die in Stuttgart verschwägert ist, unter der Hand den König von Württemberg sondieren, ob der Herzog von Orleans wohl rechnen könnte, die Hand einer der Töchter des Königs zu erhalten; der König lehnte die Sache in ausreichender Antwort gänzlich ab. Demungeachtet erschien im vorigen Jahre, 1835, der französische Gesandte in Karlsruhe, Mr. de Mornais, in Stuttgart mit der officiellen Mission, um die Hand der ältesten Princeß für den Herzog von Orleans anzuhalten, wobei er den Auftrag hatte zu sagen, daß diese Verbindung in jeder Beziehung günstig für Württemberg sei, daß sie es aber dadurch noch mehr werden solle, indem Louis Philipp verspreche, den württembergischen Ländern jeden möglichen Vorteil zu verschaffen; denn, da es doch natürlich sei, daß über kurz oder lang ein Bruch mit Frankreich erfolge oder daß Unruhen in Deutschland ausbrächen, so würde er dann natürlich die Propaganda loslassen, wobei er aber verspreche, daß Württemberg von derselben so wie überhaupt bei jeder Gelegenheit verschont bleiben solle; bei einem Friedensschluß jedoch oder bei sonstiger Veranlassung werde Louis Philipp Alles anwenden, um das Königreich Württemberg bedeutend zu vergrößern.

Der König von Württemberg refusierte aber ganz bestimmt die Hand seiner Tochter, weil er dieselbe in Deutschland etabliert sehen wollte; übrigens sei er mit seiner jetzigen Lage völlig zufrieden, so daß also alle Verheißungen ihn nicht umstimmen würden und sei er entschieden, mit Deutschland Freud’ und Leid zu teilen...

Marienbad, den 3. August 1836.

Soeben erhalte ich aus Berlin die amtliche Mitteilung, daß Sie nicht die Gnade gehabt haben, auf meinen Vorschlag wegen der Verlegung des Einstellungstermines des Infanterie-Ersatzes vom Frühjahr auf den Herbst einzugehen. Ich kann nicht leugnen, daß mich diese Ihre Entscheidung recht bekümmert, da ich aus den entwickelten Gründen, militärischen sowohl wie administrativen, hoffen durfte, daß wenigstens ausnahmsweise, behufs der nächsten großen Revue des dritten Armeecorps das Verfahren genehmigt werden würde, um so mehr... als ich aus dem Kriegsministerium erfuhr, daß in demselben sowohl die Stimmen dafür sind als auch von den höchsten Zivilbehörden schon mehreremals dringend diese Angelegenheit in Anregung gebracht worden ist. Es kann also wohl nur die Privatansicht des Generals Schöler im kriegsministeriellen Bericht an Sie sich gegen die Maßregel ausgesprochen haben; der General v. Witzleben hätte es gewiß nicht getan. Die Ansicht, daß es eine Abweichung von dem Bestehenden sei, welche erst triftig untersucht werden müßte, darf ich vielleicht insofern bekämpfen, als im Bereich des dritten und vierten Armeecorps alle Militär- und Civilbeamten für die Verlegung sind, so daß also einer ausnahmsweisen oder versuchsweisen Ausführung gar nichts im Wege stehen würde und dieselbe vom gemeinen Mann selbst als eine große Erleichterung angesehen wird. Ich würde auf eine allgemeine Veränderung auf meinen Bericht allein niemals gerechnet haben, da die Zeit zu kurz war, vom Juli bis zum September die Sache in allen Provinzen untersuchen zu lassen. Aber da so viele gewichtige Stimmen sich dafür ausgesprochen haben, so rechnete ich wirklich mit Bestimmtheit auf die versuchsweise Einführung bei meinem Corps, welche Bitte ich nochmals auszusprechen mich unterfange.

Wollten Sie vielleicht noch ein anderes Urteil hören, so würde ich vorschlagen, den General v. Röder zu einem Bericht aufzufordern. General v. Natzmer[93] spricht mir fast täglich hier von dieser Angelegenheit und von seinem sehnlichen Wunsch, sie in Anwendung kommen zu sehen...

Babelsberg, den 17. Oktober 1837.

Wenn mit dem morgigen Tage mein Sohn sein 6. Jahr zurücklegt und dies öfters der Termin gewesen ist, an welchem die Prinzen Ihres Hauses aus den Händen der Bonnen in die der Gouverneure überzugehen pflegen, bisher dieses Überganges meines Sohnes jedoch noch nicht Erwähnung geschehen ist, so halte ich es für meine Pflicht, mich darüber heute noch gegen Sie auszusprechen. Die Madame Godet, dessen Sorge der Kleine bisher anvertraut war, ist in jeder Beziehung so ausgezeichnet und von so eminent-günstigem Einfluß auf die Entwicklung desselben gewesen, daß wir nicht dankbar genug sein können, daß sie uns vom Schicksal zugeführt worden ist. Dies ist aber auch der Grund, warum wir es sehr wünschen, daß der Kleine noch eine Zeit lang ihrer Pflege und Erziehung anvertraut bleibe, so daß nur erst im Laufe des Sommers wir den Übergang zu einem Gouverneur wünschen können. Was nun die Wahl selbst eines Gouverneurs betrifft, so ist sie unendlich schwer, wenn ich bedenke, welcher Zukunft mein Sohn vielleicht entgegen geht. Ich fühle die ganze Verantwortung nur zu schwer auf mir lasten, welche diese Wahl mit sich führt und ich muß gestehen, daß dieselbe eigentlich noch nicht fest bei mir ist. Mein Plan ist, einen älteren Offizier zu wählen als eigentlichen Gouverneur, unter ihm aber einen jüngeren Offizier angestellt zu sehen, der zugleich von jenem älteren die Richtung erhält, den Kleinen aber hauptsächlich dann leiten soll, wenn jener ältere Offizier durch Familienverhältnisse oder sonstige Abhaltungen behindert ist, um ihn zu sein. Vorläufig habe ich zum Gouverneur den Oberstleutnant von Unruh, meinen Adjutanten, ausersehen, ihm jedoch noch niemals davon sprechen wollen, bevor ich Ihre Ansicht kenne. Für den jüngeren Offizier ist meine Wahl noch nicht so festgestellt und werde ich mir vorbehalten, hierüber, wenn Sie den ganzen Plan genehmigen, später Vortrag zu machen.

Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Berlin, den 31. Mai 1838.