Ihren Wunsch, bei meinem Sohne außer dem Obersten v. Unruh als Gouverneur keinen zweiten jüngeren Offizier, sondern einen Zivil-Gouverneur anzustellen, habe ich natürlich nur als einen Befehl ansehen können und habe ich sofort Erkundigungen über dergleichen junge Männer angestellt. Es hat sich als ein ganz vorzügliches Subjekt der Sohn der jetzigen Bonne des Kleinen, Herr Godet[94] in Neuchatel herausstellt, den wir bereits seit längerer Zeit kennen, als er seine Studien hier machte. Da er sich der Theologie widmet, so adressierten sich unsere Erkundigungen an den Hofprediger Stracht und den Professor Neander[95], welche Beide dem jungen Godet das ungeteilteste Lob, namentlich Letzterer, erteilte.

Ich habe daher dem jungen Manne das Anerbieten, die Stellung bei meinem Sohne anzunehmen, gemacht und sehe seiner Antwort entgegen.

Der beste Termin zum Wechsel des Erziehungspersonales dürfte nun wohl erst der Herbst sein, indem mit den neuen Hoffnungen in meiner Familie dann gleich Alles auf ein Mal verändert werden könnte, um so mehr, da wir hoffen, Madame Godet bei dem zu erwartenden Kinde, wenn der Himmel Alles gnädig wendet, ihre Stelle anzuweisen. Auch ist durch die Feuersbrunst auf dem Babelsberge kein Gelaß mehr vorhanden, wo Gouverneur und Instructeur untergebracht werden könnten für diesen Sommer. Dagegen soll Oberst Unruh, wenn er mit mir vom Rhein zurückgekehrt sein wird, so viel als möglich sich in der Gesellschaft des Kleinen befinden.

Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Saarlouis, den 21. Juni 1838.

.... Aachen habe ich seit 8 Jahren noch unglaublich verschönert gefunden... Es herrscht viel Elegance und Luxus in Toiletten und Equipagen, sodaß ich ganz frappiert war. Die Zweige der Industrie in und um Aachen nehmen unglaublich zu, sowie auch auf der Straße von Trier hierher. Ich habe vielerlei Fabriken besichtigt... in Malmedy (ein so echt französisches Völkchen, daß man sich inmitten nach Frankreich versetzt glaubt, der enormen Patrioten ihren Reden nach zu urteilen) ..., die alle in Flor sind und außerordentlich in ihren grandiosen Anlagen, Einrichtungen und Resultaten sind. Es ist eine wahre Freude zu sehen...

Berlin, den 6. Oktober 1838.

Sie haben gnädigst vorläufig die Wahl des Obersten v. Unruh als Gouverneur meines Sohnes zu genehmigen geruht. Da dies Verhältnis nunmehr vollständig eintreten muß, so wollte ich nun die desfalsige Ernennung hiermit antragen. Die große Gewissenhaftigkeit des Obersten v. Unruh hat ihn aber den Wunsch aussprechen lassen, die Gouverneurstellung ihm vorläufig nur als ein Commando zu übertragen, während er noch mein persönlicher Adjutant bleibt, damit, wenn er oder ich die gewünschte Qualification zu seinem Amt nicht entsprechend fände, sein Rücktritt zu mir für beide Teile weniger empfindlich wäre. Da ich diese Ansicht nur teilen kann, so will ich also untertänigst hiermit darauf antragen, den Oberst v. Unruh nur zur Führung meines Sohnes mit Beibehalt seines Verhältnisses als mein Adjutant commandieren zu lassen.

Zum Untererzieher haben Sie gleichfalls vorläufig den Herrn Friedrich Godet zu wählen genehmigt; seine Ernennung würde daher nunmehr auch erfolgen müssen.