[12] Russischer Botschafter in Wien.

[13] Die allgemeine politische Situation war in diesen Tagen völlig ungeklärt: „Österreich hat gegen die drei Mächte, welche den Londoner Vertrag unterzeichnet haben, eine ziemlich dreiste Sprache angenommen; das Verhältnis beider Kaiserhöfe zu einander ist sehr gereizt und gerade das beunruhigt den König“, notierte Varnhagen von Ense in seinen Blättern aus der preußischen Geschichte am 5. Januar 1828. Auch Schölers Berichte wissen davon zu melden: „Die Meinung, daß Rußland den Krieg mit der Pforte wünsche, oder die Meinung, daß es diesen Krieg scheue, sind beide gleich große, aber häufig, bald hier, bald dort genährte Irrtümer, die wesentlich dazu beigetragen haben, die gegenwärtige Verwicklung der griechischen Pacificationsangelegenheiten herbeizuführen.“ (Schöler am 24. 12./5. 1. 1827/8); „Österreich verfolgt ganz unbegreiflicher Weise den höchst bedenklichen Zweck, die Übereinstimmung der verbündeten Mächte so viel als möglich zu hindern“ (Schöler am 28. 12./9. 1. 1827/8), und Friedrich Wilhelm III. schreibt aus Berlin seinem Sohn am 5./17. Februar 1828:.... besonders haben mir die politischen Neuigkeiten, die Angelegenheiten Rußlands in Beziehung auf Österreich betreffend, angenehm sein müssen, da sich ziemlich bestimmt daraus ergiebt, daß letzteres Kabinett sich in einem wünschenswerteren Sinn als seither ausspricht. Im übrigen befinden wir uns noch immerfort in einer gewissen Krisis in Betreff der orientalischen Angelegenheit, da sich England seit dem Ministeriumwechsel noch immer nicht recht über seine eigentlichen Absichten darüber erklärt hat....

[14] Der ältere Bruder des Kaisers Nicolaus lebte in Warschau, nachdem er im Dezember 1825 im „Großmutsstreit“ auf die Krone verzichtet hatte.

[15] „Das alberne Gerücht, daß im Falle eines Türkenkrieges preußische Truppen das Königreich Polen besetzen und verwahren werden, ist überall verbreitet und wird gar sehr geglaubt.“ (Varnhagen von Ense, Blätter aus der Preußischen Geschichte, Eintragung vom 5. Januar 1828.)

[16] Job v. Witzleben (1783/1837, seit 1834 preußischer Kriegsminister) war Generaladjutant des Königs, „zwanzig Jahre lang der mächtigste Untertan im Staate“ und, wie Friedrich Wilhelm III. sagte, „mein Freund und Mitarbeiter an den großen Plänen zur Beglückung des Volkes“.

[17] Christoph Lieven (1774/1839), der russische Botschafter in London.

[18] „Erwägt man, daß der Kaiser vor einiger Zeit noch gegen den Prinzen Wilhelm des Umstandes gedachte, daß die vielen inneren Geschäfte die neuen englischen Minister hindern würden, sogleich die auswärtigen in Erwägung zu ziehen, dagegen aber jetzt, und seit kurzem erst mit besonderer Bestimmtheit von dem Termine des Einrückens in die Fürstentümer spricht, so hat man die Erklärung dieser Verschiedenheit in den Äußerungen des Monarchen“ — eine widersinnige, zwecklose Phrase in der Eröffnungsrede des englischen Parlamentes, die man der Eitelkeit des Herzogs Wellington und dem Einflusse des Fürsten Esterhazy, des österreichischen Gesandten, zuschreibt, hat die Empfindlichkeit des Kaisers sehr erregt —; „es bleibt nur zu wünschen, das die Vorliebe des — englischen — Königs für den österreichischen Botschafter und die eigne Verfeindung mit dem russischen den nunmehrigen Premierminister von England zu keiner falschen Maßregel verleite.“ (Schöler, 9./21. Februar 1828.)

[19] Der Sieger von Waterloo, Wellington, (1769/1852) übernahm Mitte Januar 1828 die Leitung des englischen Ministeriums.

[20] „Alles, was von dem Ministerio unter Herzog Wellington zu erwarten ist, wird demnach wirklich auch nicht weiter gehen, als bisher, nämlich den Ereignissen sich nach wie vor hingebend wird das Ministerium ebenso als die beiden letzteren nur den Vorwurf, daß man den Bedingungen des Tractates nicht nachgekommen sei, möglichst zu vermeiden und dadurch den Kaiser Nicolaus abzuhalten suchen, seinen eignen Weg zu gehen. Seinerseits hat dieser Monarch unterdeß einen Schritt getan, der keinen Zweifel übrig läßt, daß er selbst dem Erfinder des Protokolls vom 4. April wenigstens kein Übermaß von Neigung zur Erfüllung desselben in seiner erweiterten Gestalt zutraue, indem er sich bewogen gefühlt hat, persönlich an den Herzog von Wellington zu schreiben und demselben die besondere Berücksichtigung zu Gemüte zu führen, die Herzog Wellington — mehr als jeder Andere — der Erfüllung des Zweckes jenes Protokolls zu widmen verpflichtet sei. Die Antwort des Herzogs ist noch nicht erfolgt, indeß weiß man aus den neusten Berichten des Fürsten Lieven, daß das kaiserliche Schreiben seine Wirkung nicht verfehlt und die bestimmteste Zusage von Seiten des neuen Premierminister veranlaßt hat, die Stipulationen des Vertrages gewissenhaft zu erfüllen und Alles aufzubieten, die Zwecke desselben vollständig zu erreichen. Hiernach scheint denn wirklich jenes Schreiben zur glücklichen Stunde angekommen zu sein, da Fürst Lieven früher gemeldet hatte, daß ihm über die guten Dispositionen des Herzogs nur indirect Versicherungen gemacht worden wären.“ (Schöler, 28. Januar/9. Februar 1828.)

[21] Christian Günther Graf v. Bernstorff (1769/1835) war im April 1818 auf Hardenbergs Veranlassung aus dem dänischen in den preußischen Staatsdienst übergetreten und leitete damals die auswärtige Politik. „Wenn Bernstorff in den deutschen Angelegenheiten dem österreichischen Staatslenker einen allzu gefälligen Vortritt ließ, so lehnte er sich beim Eintritt der großen Ereignisse von weltgeschichtlicher Bedeutung bis zur Gefahr an Rußland; denn mit seiner Bezeichnung der Zumutungen Rußlands an die Pforte im Jahre 1828 als ‚gerechte Anforderungen‘, wobei er freilich wohl nur an die von der öffentlichen Meinung ersehnte Befreiung Griechenlands gedacht haben mochte, hätte er leicht einen Krieg wider Preußen hervorrufen können, in welchem die Westmächte sich mit Österreich zu seiner Vernichtung zusammen gefunden haben würden“ (Allg. Deutsche Biogr. Bd. 2, S. 498).