[71] Im Herbst 1818, wo die Mächte der Heiligen Allianz gegenseitige Übereinkommen für den Fall neuer Revolutionen getroffen hatten.

[72] Aus den Antworten des Königs an Prinz Wilhelm sei nur die folgende Briefstelle zitiert: Pfaueninsel, den 16. August 1830. Einige Wochen sind es erst her, daß ich Dir geschrieben, lieber Wilhelm, und was hat sich alles in dieser kurzen Zeit zugetragen. Unerhörtes, so viel Unerhörtes, daß das Schicksal Europas und insbesondere Preußens und Belgiens wieder ganz so auf der Spitze steht als in dem unseligen Zeitraume von 1789 zu 1814. Wahrlich, ein beugender und erdrückender Gedanke, und doch ist dem so und nicht anders.... Frankreich provozieren, hieße ein gefährliches Spiel wagen, obgleich mit Gewißheit über kurz oder lang mit Krieg zu rechnen ist, da es gewißlich die Gelegenheit vom Zaun brechen wird, um sich je eher, je lieber Belgiens und des linken Rheinufers zu bemächtigen. Daß dies nun und nimmermehr von uns zugegeben werden kann, unterliegt wohl keinem Zweifel, dann aber ist auch mit Gewißheit auf die öffentliche Meinung und auf den Schutz und Beistand unserer früheren Alliierten zu rechnen, obgleich wir auch dann kein leichtes Spiel haben werden.... (Dieser Brief stimmt fast wörtlich mit einem Schreiben Friedrich Wilhelms III. an seine Tochter Charlotte, Kaiserin von Rußland, vom gleichen Tage überein: vgl. Hohenzollernjahrbuch 1916, S. 152.)

[73] Vgl. [Anm. 2 S. 36].

[74] Als Ergänzung möge hier das briefliche Bekenntnis des Königs an seine Tochter Charlotte vom 9./21. Dezember 1830 dienen (vgl. Hohenzollern-Jahrbuch 1916, S. 154): „Einen schlimmeren und verwickelteren politischen Zustand der Dinge in Europa habe ich noch nicht erlebt, und wie viel Schlimmes erlebte ich nicht schon! Daß hierbei die Lage Preußens die allerschlimmste zu nennen ist, ist wohl einleuchtend. An dessen südwestlicher Grenze das kecke, übermütige, kriegslustige Frankreich, alles Bestehende bedrohend, und neben diesem das noch im offenbaren Aufruhr befindliche, keinem vermittelnden Vorschlage Gehör gebende, rein tolle Belgien; den Geist der Unruhe, der im deutschen Vaterlande spukt, will ich ganz übergehen, obgleich auch er die größte Aufmerksamkeit erfordert; und nach Osten.... das verräterische und fanatische Polen.... wahrlich, es möchte schwer sein, sich eine schlimmere Lage zu denken. Mäßigung, kaltes Blut und sich nach Möglichkeit auf das Schlimmste gefaßt zu machen und vorzubereiten, ist alles, was dabei zu tun ist. Das Übrige ist von der Vorsehung zu erwarten, die sich doch des armen Europas über kurz oder lang wieder erbarmen wird.“

[75] Am 7. September 1830 heißt es ebenfalls aus Koblenz: Wie richtig es ist, gerade hier Truppen aus den alten Provinzen zu haben, in dieser bewegten Zeit, darf ich wohl aussprechen, ohne Mißtrauen gerade gegen die hiesigen Truppen zu zeigen, deren Geist sich excellent ausspricht. Aber Vorsicht ist ja nie überflüssig. Und wer weiß, was eine Proklamation von Frankreich beim Einfall in unser Land bewirken könnte. Jetzt haben die Bürger ihr Hab und Gut gegen den Pöbel-Aufstand verteidigt, ob sie es aber auch gegen einen Feind tun würden, dem sie so lange anhingen und zu dem sie noch immer hinsehen, ist die Frage; die Behörden sagen ja, ganz sicher bin ich nicht darüber.

[76] Herzog Karl II., der den Revolutionen in Paris und Brüssel zufällig beigewohnt hatte, mußte am Abend des 6. September 1830 der plötzlich und endlich ausbrechenden Wut des Volkes weichen und sein Land für immer verlassen.

[77] Bernhard v. Weimar, der zweite Sohn Karl Augusts (1792/1862), trat 1815 in die Dienste des neugebildeten Königreiches der Niederlande; er hat an der Niederwerfung der belgischen Revolution den wesentlichsten Anteil gehabt.

[78] Kurzer Aufstand am 9. September 1830.

[79] Karl v. Stein zum Altenstein (1770/1840) beeinflußte als preußischer Unterrichtsminister das geistige Leben des hier in Frage kommenden Zeitabschnitts wesentlich.

[80] Aus Charlottenburg meldet am 19. September 1830 der König seinem Sohn: „.... Auch hier haben wir, um in der jetzigen allgemeinen Mode nicht zurückzubleiben, einige tumultuarische Pöbel-Bewegungen gehabt, welche zwar sogleich im Entstehen unterdrückt wurden, dennoch aber es nötig gemacht haben, einen Teil der Garnison während der Nacht auf den Beinen zu halten....“ Nach einer brieflichen Notiz des Königs an seine Tochter Charlotte vom 13./25. September 1830 (vgl. Hohenzollernjahrbuch 1916, S. 152) war „Onkel Karl“, d. i. Herzog Karl von Mecklenburg, der bekannte Stiefbruder der Königin Luise, der Wiederhersteller der äußeren Ordnung in Berlin gewesen: „er hat sich mit großer Umsicht, Vorsicht und Festigkeit benommen und ist als der Hauptleiter des Ganzen anzusehen; ihm also verdankt man hauptsächlich, daß der Unordnung auf rechte Weise gesteuert ist und seitdem, wenigstens für jetzt, völlige Ruhe herrscht.“