Aus dem erwähnten Protokoll vom 4. April 1826 aber erwuchs am 7. Juli 1827 eine englisch-russisch-französische Tripelalliance, der „trilaterale Vertrag“ der Briefe; „der Kaiser knüpfte an sie die Hoffnung, daß sie vor allem den russischen Interessen förderlich sein werde“. Er hatte schon versucht, aus dem Protokoll möglichsten Nutzen zu schlagen, er hatte die Vereinbarung den Höfen von Berlin, Paris und Wien mitgeteilt und wußte allen Einwendungen geschickt zu begegnen. Der Gedanke, an Stelle des Protokolls den Vertrag zu setzen, ging von England aus; ein Geheimartikel regelte die Möglichkeiten und Notwendigkeiten eines Kriegsfalles. In der Seeschlacht von Navarino, wo am 20. Juli 1827 die türkische Flotte vernichtet ward, war der Auftakt dazu gegeben. In das Auf und Ab der nächsten Monate führen die folgenden Briefe ein.

Prinz Wilhelm hatte am 22. Dezember 1827 Berlin mit einem nicht mehr vorhandenen Briefe Friedrich Wilhelms III. an seinen kaiserlichen Schwiegersohn verlassen; Petersburg war ihm nicht fremd, hatte er doch 1817 seine Schwester Charlotte zur Vermählung dorthin begleitet; 1823 hatte er den russischen Manövern beigewohnt; im Januar 1826 war er wieder dort, um seinen Schwager als Kaiser zu sehen, und 1834 ist er nochmals an der Newa zu Besuch gewesen, um der Einweihung des Denkmals für Alexander I. beizuwohnen — es sei darüber hier eine Stelle aus einem Briefe an den König vom 24. Juli 1834 zitiert:.... Nun aber mit einem so ehrenvollen Auftrag zu dieser Feier zu gehen, ist für mich eine unbeschreibliche Freude, eine Freude, die unendlich erhöhet wird durch das, was das Herz dabei fühlt. Denn wenn auch Trauer die nächste Veranlassung zu der Feier ist, so ist doch gerade wieder die Errichtung dieser Denk-Säule für den Unvergeßlichen ein Moment, der mit Freuden erfüllt, weil man solches Andenken auf solche Weise verherrlichen will....

Der diesmalige Aufenthalt dauerte „fast fünf Monate“; am Abend vor der Abreise des Prinzen Wilhelm, die am 9. Mai erfolgte, schrieb die Kaiserin Mutter Maria Feodorowna: Le départ du cher prince Guillaume me fait de même répandre bien des larmes; je lui suis tendrement, inviolablement attachée et profondément touchée de son amitié pour moi.

St. Petersburg, den 19./31. Dezember 1827.

In aller Eile setze ich diese Zeilen auf, um Ihnen meine glückliche Ankunft hierselbst gestern Nachmittag um 5 Uhr zu melden. Es kommt mir noch Alles wie im Traum vor nach den ersten Augenblicken, die Tausende von Bekannten schon gesehen zu haben. Vor allem muß ich natürlich von Charlotte und dem Kaiser und der Kaiserin-Mutter sprechen. Welch’ eine Freude, welch’ eine unbeschreibliche Freude war die des Wiedersehens... Die Kaiserin-Mutter hat mich mit einer Herzlichkeit und Liebe empfangen, die wirklich noch ihre frühere Gnade übersteigt[4].

.... Ich habe hier Alles bisweilen kriegerischer gefunden, als ich es erwartete; die Abreise der Gesandten von Konstantinopel[5] hat nicht wenig dazu beitragen müssen, welche Nachricht vorgestern Abend hier angelangt ist. Jedenfalls wird aber wohl erst das Frühjahr abgewartet werden, ehe etwas geschieht. Der Kaiser hat mir schon über Manches gesprochen, doch noch bin ich nicht im Stande, etwas Zusammenhängendes aufzuschreiben. Er beruft sich stets auf einen gewissen Brief, den er Ihnen geschrieben haben will vor einiger Zeit, weshalb ihm die Äußerungen, welche Sie mir am Abend vor meiner Abreise noch in Beziehung auf Ihre Verhältnisse zu ihm taten, sehr erwünscht zu vernehmen waren...[6].

St. Petersburg, 12./24. Januar 1828.

Gestern sind nach fast fünfwöchentlichem Stillschweigen Nachrichten aus Persien gekommen. Der Friede ist noch immer nicht vom Schah unterzeichnet zurück[7], obgleich Abbas Mirza in Alles eingegangen ist. Auch hatte man in Tawris die Nachricht, daß die Zahlung der Contributionssumme, welche vor der Unterzeichnung verlangt ist, geschehen sei, daß der Schah aber nicht traue, dieselbe Jemand der Seinigen anzuvertrauen, fürchtend, daß sie geplündert werden könnte; er soll sie also einem Engländer übergeben haben, der noch nicht angekommen war. Die Zahlung der ganzen Summe wird teils in Gold, teils in Edelsteinen erfolgen, da das Gold nicht sehr vorrätig sein mag in Persien...

Soeben sagte mir der Kaiser, daß dem letzten Berichte von Pozzo[8] (zufolge) das neue französische Ministerium[9] sich nicht halten würde und daß er sehr gegründete und große Besorgnisse für die innere Ruhe von Frankreich habe. Diese Mitteilungen inquietieren den Kaiser weit mehr als die orientalischen Unruhen, indem Unruhen in Frankreich allerdings von großen Consequenzen wären[10].