Doch sind einige metallene Altarvorsätze in Deutschland erhalten geblieben: Im Schatze des Münsters zu Aachen 17 getriebene Goldplatten aus dem X. Jahrhundert[328], ein goldenes Frontale, das Kaiser Heinrich II. 1019 dem Münster zu Basel gestiftet hat[329]. Jetzt befindet es sich im Hotel Cluny zu Paris. In der Stiftskirche zu Komburg in Württemberg ist ein kupfernes, vergoldetes, mit Emailarbeit und Edelsteinschmuck versehenes Frontale aus dem XII. Jahrhundert[330]; ferner ist das Antemensale der Ursulakirche in Köln zu nennen, von gleicher Arbeit und aus gleicher Zeit wie das vorige[331]. Ein hervorragendes Werk deutscher Emailarbeit ist das Frontale in Kloster-Neuburg, das in drei Reihen die Heilsgeschichte zur Anschauung bringt[332].

Das zuletzt entdeckte unter der geringen Anzahl in Deutschland erhaltener Frontale ist das im germanischen Museum aufgestellte, aus Quern in Angeln (Kreis Flensburg, Schleswig-Holstein) stammende.

Erwähnt wird das Querner Frontale von Haupt in seinen Bau- und Kunstdenkmälern der Provinz Schleswig-Holstein Bd. I. S. 321; ferner in der schleswig-holsteinischen Kirchengeschichte, nach hinterlassenen Handschriften von H. N. A. Jensen, herausgegeben von A. L. J. Michelsen Bd. II. S. 267. Auch in Ottes Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalters Bd. I. S. 136 findet es eine kurze Erwähnung. Eine ausführlichere Beschreibung widmet ihm J. P. Trap in seiner Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertug-demmet Slesvig Bd. II. S. 500 und 501. Endlich darf wohl angenommen werden, daß das von J. von Schröder in seiner Topographie des Herzogtums Schleswig S. 414 erwähnte kupferne Altarblatt mit dem Brustbild Christi und den vier Evangelistenzeichen unser, hier allerdings ungenau beschriebenes Frontale sein soll. Wenigstens haben meine Nachforschungen am Orte selbst keinen Anhalt ergeben für die Annahme, daß noch ein zweites kupfernes Altarblatt in Quern sich befunden habe.

Das Frontale im germanischen Museum stammt aus der St. Nicolaikirche in Quern, einem romanischen Quader- und Feldsteinbau, der in seiner ursprünglichen Form dem XII. Jahrhundert angehören mag. Die Altartafel wurde, wie Haupt mutmaßt, am Ende des XVII. Jahrhunderts mit Flügeln versehen, die eine schlecht gemalte Darstellung des Abendmahls und der Kreuzigung enthalten. In dieser Form diente sie als Altaraufsatz. Unter dem 31. Oktober 1881 beschloß das Kirchenkollegium, das Antependium, welches seit 1869 hinter dem Altar gehangen hatte, und dessen Altertumswert niemand ahnte, nebst zwei messingenen Altarleuchtern für 300 Mk. zu verkaufen[333]. Eine Zeit lang war das Antemensale im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt und wurde schließlich vom germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erworben.

Die Querner Altartafel ist zwei Meter lang und ein Meter hoch, von stark vergoldetem Kupferblech, aus einzelnen unregelmäßig geschnittenen Platten zusammengesetzt. Die Aureole in der Mitte der Tafel ist 580 mm. hoch, 432 breit, der obere Rand hat 30, die innere Abschrägung 32 mm. Die Bogennischen haben eine Höhe von 340 und eine Breite von 60 mm. Der mittlere Ornamentstreifen ist 40 mm. breit. Die Figuren haben folgende Maaße: Die Christusfigur mit der Gloriole 400 mm., der geflügelte Mensch 290 mm., die übrigen Figuren messen 270-280 mm. von der Hake bis zum Scheitel. Die unbärtigen Köpfe haben ein Maaß von 45-50 mm., die bärtigen von 60-70 mm.

Inhalt und Einteilung der Tafel sind die für das Frontale um 1200 allgemein üblichen. In kräftig getriebenem Relief, das die Köpfe und oberen Körperpartien besonders stark hervortreten läßt, zeigt sie in einer von den vier Evangelistensymbolen in der Reihenfolge Matthäus, Johannes oben, Marcus, Lucas unten, umgebenen, zugespitzten elliptischen Aureole den Salvator auf tuchbehangenem Thron, die rechte Hand segnend erhoben, die linke auf das Buch des Lebens gestützt. Die Füße stehen auf einem Schemel. Der bärtige Kopf des Heilands ist von einer Gloriole umgeben, welche die Kreuzform in bekannter Weise enthält. Das Bild hebt sich von schuppenartig gemustertem Grund ab. Über der Aureole ist die Taube, unter der Aureole das Lamm mit Heiligenschein und Fahne in typischer Darstellung gegeben. Zu beiden Seiten des großen Mittelfeldes sind je sechs Apostel zu drei und drei über einander in romanischer Rundbogenstellung angeordnet. Petrus ist durch den Schlüssel ausgezeichnet, die übrigen Apostel tragen das Buch. Die obere und untere Bogenstellung werden durch einen Ornamentstreifen getrennt; ebenso ist die Aureole durch Ornamentstreifen gebildet. Ein Rundstab scheidet die Tafel von dem nach innen abgeschrägten Rand. Auf letzterem findet sich in Beziehung auf das Salvatorbild die mit Gold gemalte Inschrift: Sum lux eterna residens in sede superna. — Lux ego sum vite per me sup astra venite.

Mit Bezug auf die Bestimmung des Altares heißt es weiter: Est deus hic regnans hic sacratur et ebibitur roseus cruor agni per quem sulphurei tepuit violentia stagni. — Die erste Umschrift beginnt über der letzten Bogennische links von der Aureole und endigt unter Petrus. Dort setzt die zweite Umschrift ein.

Der Querner Tafel fast gleich nach Inhalt und Einteilung ist das dem XII. Jahrhundert angehörende Antemensale aus der Stiftskirche zu Komburg in Württenberg. In der Mitte zeigt es gleichfalls die Aureole in Gestalt einer zugespitzten Ellipse mit der hier allerdings stehenden und auch sonst abweichenden Heilandfigur. Durch gerade verlaufende Ornamentstreifen wird das Mittelfeld von den Seitenfeldern abgetrennt. In den so um die Aureole entstehenden vier Zwickeln sind die Evangelistensymbole angebracht in derselben Reihenfolge wie auf der Querner Tafel. Die Seitenfelder gleichfalls durch gerade verlaufende Ornamentstreifen abgeteilt und darin von der Querner Tafel abweichend, enthalten in gleicher Anordnung, zu drei und drei über einander beiderseits je 6 Apostel. Die Reihenfolge unter den Aposteln selbst ist allerdings insofern eine andere, als in dem Komberger Antemensale Petrus, der hier noch nicht mit dem Schlüssel dargestellt ist, in der oberen Reihe rechts zu nächst dem Mittelfelde steht, während er in dem Querner Frontale an der entsprechenden Stelle in der unteren Reihe rechts seinen Platz gefunden hat.

Dem Komburger Antemensale nahe verwandt ist die Altartafel in St. Ursula in Köln. Die übrigen von mir angeführten metallenen Frontalien aus Deutschland weichen völlig ab von dem Typus, den die Querner Tafel zeigt. So stellt der berühmte goldene Altarvorsatz aus dem Münster zu Basel unter 5 hohen schmalen säulengetragenen Rundbögen Christus mit den 3 Erzengeln und dem heiligen Benedictus dar. Die Tafel aus Klosterneuburg entbehrt ganz des plastischen Schmuckes, sie giebt in vortrefflicher Emailarbeit die Heilsgeschichte wieder.

In Schleswig-Holstein selbst finden sich einige hölzerne Altarvorsätze, die bezüglich ihrer Einteilung und des Inhalts ihrer Darstellung bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Querner Tafel zeigen. Zunächst ist in der alten Kirche zu Ekwadt (Kreis Apenrade) vor der Mensa ein spätromanischer, um 1200 gefertigter Vorsatz[334], der genau dieselbe Einteilung hat. Die Mitte nimmt die Aureole ein in Form einer zugespitzten Ellipse, die hier freilich keinen Raum mehr für eine Darstellung der Taube und des Lammes (über und unter sich) freiläßt. Dagegen sind für die Anbringung der 4 Evangelistenzeichen an gleicher Stelle wie bei der Querner Tafel Teile von der Ellipse durchschnittener Bögen ausgespart. Zu beiden Seiten des Mittelfeldes finden wir auch hier in 2 Reihen je 3 Bögen. Leider sind die Figuren aus dem Frontale verloren gegangen. Man darf jedoch bei der völligen Gleichheit der Einteilung des Rahmens auch annehmen, daß der von ihr umschlossene figürliche Inhalt derselbe war, wie ihn das Querner Antemensale besitzt. Wir dürfen das um so unbedenklicher thun, als sich in Hellewadt[335], in der Nähe Ekwadts, ein dem Ekwadter gleiches Frontale befand, welches zwar 1878 zerstört ist, aus dem sich aber ein thronender Christus und 8 Apostel erhalten haben. Beachtenswert sind beide Stücke auch deswegen, weil Bögen, Säulen und Figuren nicht nur gemalt, sondern in Holz geschnitzt sind. Ein ähnliches Stück soll sich in der Universitätssammlung zu Christiania befinden.