Es hatte ein Weilchen gedauert, bis Billy von der Gerechtigkeit eingeholt worden war. Doch die Gerechtigkeit kommt. Früher oder später. Meiner Frau wäre viel Kummer erspart geblieben, hätte die Gerechtigkeit früher eingeschlagen. Doch alles hat seinen Zweck. Meine Frau würde ohne Kummer nicht wachsen. Ich wollte aber, dass sie wuchs, dass sie lernte, mir mehr zu vertrauen. Noch wusste sie nicht, wer ihr Beschützer war, vielleicht ahnte sie es. Doch eines Tages würde sie es wissen und es würde unsere Beziehung noch viel besser machen. So wie ich Gott trauen lernte, der mich beschützte, so würde sie mir trauen lernen, der ich sie beschützte.
Ich schoss mit beiden Colts. Ich schoss sie in die Stelle, die sie bereit waren, an meiner Frau und Kindern zu gebrauchen. Ob ich so genau traf, weiss ich nicht. Doch irgendwo traf ich sie alle, denn alle fielen auf die Knie und stöhnten, doch nicht für lange. Ich wollte nichts riskieren. Sie könnten versuchen, auf meine Frau und Kinder zu schiessen. Ich wollte sie auch nicht quälen. Der erste Schuss war nur zu zeigen, worum es ging. Ich schoss sie alle in den Kopf.
Es war vorbei. Ich stand still. Ganz still. Julia, Sara und Lisa standen auch still. Sie standen da mit ihrem Mund offen und wussten nicht, was sagen. Sara war die Erste, die sich bewegte und ihre Jacke anzog. Keiner schrie in den Wald, in meine Richtung, in die Richtung von der die Schüsse gekommen waren, wie ich erwartet hatte. Nur Julia sagte mit freudiger Stimme : "Kommt." Dann eilten sie alle zu ihrem Camp. Sie rannten an meinem Baum vorbei so nah, ich hätte sie berühren können und wie gern hätte ich sie in meine Arme geschlossen. Ich begab mich in ihre Nähe, und schlief in ihrer Nähe im Wald, bis zum Morgengrauen. Dann schlich ich zu Billys Camp zurück. Ich brauchte ein Packpferd. Das nahm ich mir auch und ritt zurück zu meinem Pferd Flake und kochte Frühstück.
Ich hatte Weizen und eine kleine Handmühle. So hatte ich immer frisches
Mehl. Ich kochte mein Flachbrot in der Pfanne und legte mich hin zum
Essen.
Ja, ich war schneller geworden. Ich hatte es geschafft gegen Billy Kane. Ich konnte Stolz darauf sein. Doch es liess einen bitteren Geschmack im Munde. Töten war kein schönes Geschäft. Doch ich sollte die gute Seite sehen. Sehr wahrscheinlich hatte ich das Leben von Stuart und Jack gerettet.
* * *
Ich folgte dicht hinter ihnen her. Immer hielt ich eine Distanz, von der ich sie gerade noch sehen konnte, ihnen aber durch meine Anwesenheit nicht auffiel. Sie sollten sich nicht gefolgt fühlen. Sie reisten weiter gegen Denver, schienen es nicht eilig zu haben.
Am nächsten Tag sah ich sie in der Ferne vom Pfad rechts abbiegen. Wohin wollten sie? Es war ja erst Morgen. Es war noch nicht Zeit zum Campieren. Als ich näher kam, sah ich den reissenden, sprudelnden Fluss. Sie wollten wohl ein Bad nehmen. Sie hatten es also gar nicht eilig. Mir war's nicht ums Anhalten. Ich wäre gerne weitergeritten. Immerhin waren die Black Brothers irgendwo hinter mir her. Doch ich wollte sie nicht allein lassen.
So ritt ich auf dem Pfad bis zum Fluss. Erstaunlicherweise gab es da eine Furt. Der Fluss rann hier über eine flache Stelle im Gelände und breitete sich weit aus, war aber nur noch knöcheltief. Grosse Steine lagen inmitten des Flusses. Um einige musste man herumreiten. So kam ich auf die andere Seite des Flusses und suchte einen Weg dem Fluss entlang. So sollte ich meiner Familie gegenüber kommen, mit nur dem Fluss zwischen uns.
Es gab wirklich einen kleinen Pfad dem Fluss entlang, ausgetreten von den Reisenden die hier am Fluss halt machten. Ich führte mein Pferd, denn ich wollte langsam gehen und wenn möglich nicht gesehen werden. Allerdings wäre es nicht so aussergewöhnlich, dass ein anderer Reisender hier am Fluss Halt machte.