Ihr Mann hatte in den letzten Monaten seines Lebens Morphium bekommen, und diese Tatsache genügte ihr, um Heinzemännchen einem nahen Tode verfallen zu sehen.

„Aber das sage ich Euch, wenn Heinzemännchen stirbt, dann lege ich mich gleich mit dazu!“

Sie ließ ihn völlig von der Schule dispensieren und verbrachte ihr Leben damit, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie leistete gastronomisch geradezu Wunderbares. Die einfache, reizlose Diät, die der Doktor ihrem Sohne verordnet, leuchtete ihr nicht ein.

„Das ist doch gar nichts Kräftiges! Das sind alles so übermoderne Anschauungen: Gemüse und Obstsaft! — Früher hat jeder Doktor Ungarwein und Beefsteak verordnet — da kann man sich doch denken, daß das Kraft gibt. Man muß den Appetit reizen — das ist die Hauptsache! — Heinzemännchen, Du bekommst heute ein Rumsteak mit geschabtem Meerrettich und Kräuterbutter und einen Sherry — na, Du wirst ja sehen.“

Heinrich war mit seiner Krankheit ganz zufrieden.

Er brauchte nicht in die Schule, lebte wie ein Pascha.

Es wurde aufopfernd für ihn gesorgt. Die ganze Zeit gab es Festmenüs.

Seiner geistigen Unterhaltung diente das Leihbibliotheks-Abonnement, das seine Mutter ihm genommen.

Er las täglich zwei bis drei Bände. Und wenn er zum Lesen keine Lust hatte, mußten seine Mutter und Alfred Skat mit ihm spielen.

Wenn er wirklich mal Schmerzen hatte, beruhigte ihn das Morphium bald, und er verfiel dann in einen traumhaften Dusel, der viel Angenehmes hatte.