Der Hausarzt hatte Frau von Birken eine kleine Quantität Morphium und eine Pravazspritze dagelassen, um Heinrich, dessen Anfälle sehr plötzlich eintraten, nicht unnötig lange Schmerzen leiden zu lassen.

Es war jedesmal ein Ereignis, wenn Frau von Birken sich dazu entschloß, die spitze Nadel in Heinrichs Fleisch zu versenken.

„Heinzemännchen, ich kann es nicht. Es bricht mir das Herz, diese ganze, lange Nadel hineinzubohren — das muß Dir ja zu weh tun!“

„Aber mach’ doch endlich,“ stöhnte dann der von Schmerzen gefolterte Kranke unruhig, „schnell! Ich halte es nicht mehr aus!“

Dann hob ein zitternder Seufzer Frau von Birkens Brust; sie schloß die Augen, indes ihre wenig geschickten Finger die blanke Spitze in ihres Sohnes Fleisch bohrten.

An einem Frühherbsttage bekam Heinrich wieder einen sehr heftigen Anfall.

„Gewiß kommt das von dem Witterungsumschlag!“ tröstete Frau von Birken.

„Ach, Unsinn — Unsinn,“ murrte der Kranke.

„Vielleicht doch, Liebling. Die ganze Zeit hatten wir so schönes Wetter, und jetzt auf einmal die Kälte.“

Sie sah durchs Fenster hinaus auf die die Straße flankierenden Bäume, die der Wind zauste.