Ein Händedruck, und sie eilte fort.
Kaum war sie zu Hause angelangt, als sie ihr sorgsam gehütetes Geheimnis verkündete.
Ihre Mutter war eine Beute der widerstrebendsten Empfindungen. Einerseits fand sie es maßlos unpassend, daß Monika allein auf eine Redaktion gegangen, andererseits imponierte ihr die Tatsache, daß ihre Tochter wirklich „gedruckt werden sollte“, kolossal. Hatte doch Frau von Birken mit vierzehn Manuskripten vergebens darum gekämpft.
Monikas Brüder erklärten die Neuigkeit für Schwindel: „Monika will bloß bemänteln, daß sie über eine Stunde zu spät aus dem Kursus kommt.“
Aber der nächste Leuchtturm brachte tatsächlich die „Libellen“, und Monika stürzte daraufhin in die Redaktion, allwo sie fünfzehn Mark Honorar empfing. Sie benutzte sie schleunigst dazu, sich lauter Sachen anzuschaffen, die ihr verboten waren: eine Schachtel Zigaretten, den neuen Roman eines naturalistischen Schriftstellers und eine Flasche Chypre-Parfum.
Sie hatte auf der Redaktion wieder ihren Namen nicht genannt und tat es auch weiterhin nicht. Sie versäumte jetzt manchmal ein oder zwei Stunden in den Gymnasialkursen, war während dieser Zeit heimlich auf der Redaktion des Leuchtturms; da war immer der eine oder andere Zeichner, Schriftsteller oder Redakteur, mit dem sie aufs angeregteste plauderte.
Der ihr bisher unbekannte freie Ton der Unterhaltung begeisterte sie. Sie lauschte gespannt, wenn die Herren sich gegenseitig neckten oder ihre Abenteuer zum besten gaben; sie genierten sich nicht in Gegenwart dieses netten, „anonymen“ Mädchens.
Die Komplimente, die sie Monika machten, waren anderer Art als die, die sie bisher von den Leutnants gehört. Aber es waren doch Komplimente! Das genügte ihr.
Frau von Birken ahnte nichts von den kleinen Eskapaden ihrer Tochter. Sie gebärdete sich oft trostlos, wenn wieder ein neues Gedicht von Monika im Leuchtturm erschien.
„Ich würde die Verse entzückend finden, wenn sie nicht von meiner eigenen Tochter wären,“ sagte sie. „O Gott, daß ich so etwas Unpassendes an Dir erleben muß!“