Monikas Phantasie ließ sie in ihrem Begleiter einen Nabob vermuten, einen Globetrotter, der nur der Haifische wegen nach Saint-Thomé fuhr.
Er lächelte ein wenig sarkastisch. „Nein, mein gnädiges Fräulein, ich war dienstlich drüben, als Vize-Konsul.“
„Ach wie interessant! Und wie schön gefährlich es drüben sein muß. Sind Sie oft krank gewesen? — Malaria?“
Er lachte. „Nein, ich muß Sie enttäuschen. Es war nicht der Rede wert. Ueber achtunddreißig Grad hat es mein Thermometer nicht gebracht! Wir alle in der Familie sind so widerstandsfähig!“
Unwillkürlich reckte er seinen schönen, kräftigen Körper noch höher empor.
Sie warf ihm einen bewundernden Blick zu, sagte aber trotzdem: „Ich denke es mir eigentlich nett, hohes Fieber zu haben und schöne Fieberphantasien!“
„Ihre Anschauung ist ebenso originell wie unzutreffend. Fieber ist natürlich häßlich wie jede Krankheit, häßlich wie alles, was den Menschen aus dem seelischen oder körperlichen Gleichgewicht bringt.“
„O, Gleichgewicht ist so langweilig!“ sagte Monika. Ihre Augen und Zähne blitzten; sie fühlte ein starkes Bewußtsein von Kraft sie überfluten, wie immer, wenn sie sich gegen die Norm auflehnte. Und wie immer verbiß sie sich in den einmal gefaßten Gedanken, drehte und wendete ihn, zeigte ihn in verschiedenen Beleuchtungen wie einen Edelstein, auf dessen Schleiffläche man das Licht fallen läßt.
Sie sagte: „Das Gleichgewicht? Schrecklich ist das! Das schließt ja von vornherein alles aus, um das es sich lohnt zu leben: jeden Rausch schließt es aus, jedes Wunder schließt es aus.“
Der sarkastische Zug um seine Mundwinkel vertiefte sich.