„Glauben Sie an Wunder?“

„Ja.“

Sie war hinreißend schön in diesem Augenblick; ihre Züge waren wie verklärt vom heißen Glauben der Jugend, dem nichts unmöglich scheint, nichts unerreichbar. Der sich Wunder schafft mitten im grauen Alltag.

„Möglich, daß Sie beneidenswert sind,“ sagte er. „Ich habe nie an Wunder geglaubt, ich bin ein nüchterner Mensch, an allzuviel Phantasie leidet meine ganze Familie nicht.“

Dann ging das Gespräch weiter. Monikas elektrische Art ließ den Mann mehr aus seiner norddeutschen Reserve heraustreten, als er sonst wohl tat. Er fühlte sich angeregt wie selten, im Banne dieser dunkeln Augen, dieses lachenden, roten Mundes, der frühreif geistreiche und kindisch dumme Sachen durcheinanderplauderte.

Er hätte gern gewußt, welchen sozialen Kreisen Monika angehörte; ihr Wesen und ihre Bildung ließen auf beste Herkunft schließen, aber zwischendurch äußerte sie mal plötzlich eine Frivolität oder eine recht naturalistische Auffassung, die nicht zu dieser Vermutung passen wollte.

Jedenfalls war sein Ton dadurch freier zu ihr, als er es gewesen wäre, wenn er ihr in einer Privatgesellschaft vorgestellt worden.

Er überlegte gerade, ob er sie um ein Rendezvous bitten solle, als die Logentür heftig aufgerissen wurde.

Monika fuhr mit einem halblauten Schreckensschrei zusammen; sie vermutete einen Racheengel in der Gestalt von Heinzemännchen, der sie zwar nicht mit flammendem Schwerte, aber mit der Drohung von der „verletzten Familienehre“ aus diesem Paradiese vertreiben würde. Aber es war nur ein Artillerieleutnant mit liebebedürftigem Gemüt, der sich, eine üppige, schwarzgelockte Pseudo-Italienerin am Arme, in diese Logen-Einsamkeit zu flüchten suchte. Enttäuscht klappte er die Tür gleich wieder zu.

Man blieb von neuem allein, aber in Monika regte sich nun doch das Gewissen; sie raffte den Korb mit den Rosen auf, der die ganze Zeit ihr zu Füßen gestanden, und bezichtigte sich selbst einer schreienden Herzlosigkeit gegenüber den unglücklichen Lungenkranken. Da sitze sie nun seit einer guten halben Stunde hier, statt ihre Blumen zu verkaufen.