„Nein, nein, da ist noch eine Rose, die ich gern pflücken möchte, die schönste Blume von allen...“

Er sah so verlangend auf ihren Mund, — und eine heiße Glutwelle der Scham und des Entzückens überflutete Monikas Gesicht, tauchte es in Glut bis in die kleinen Ohren hinein.

In holdester Verlegenheit stand sie vor ihm. Kein Laut kam über ihre Lippen. Und auf diese Lippen legte sich mit warmem Druck sein Mund. — — — —

Eine Sekunde später stürmte Monika davon, die Treppe hinunter; wie gehetzt kam sie in Frau von Wetterhelms Bude an, die sie im Verlaufe des Festes nicht mehr verließ. Sie sei zu müde, um noch einmal die Säle zu durchkreuzen.

Am liebsten wäre sie überhaupt fortgelaufen, hätte sich irgendwo in die Einsamkeit vergraben, um all die geheimnisvolle Seligkeit in sich nachbeben zu lassen, die sie bei dem Kusse des Unbekannten empfunden.

O, fort von hier aus diesem Lärm und Gewoge. Allein sein.. die Augen zumachen.... und in Gedanken die kühlen, grauen Augen noch einmal vor sich sehen.

Aber natürlich mußte sie dableiben. Frau von Wetterhelm hätte ihrer neuesten Akquisition einen so frühzeitigen Abschied nie erlaubt. Außerdem war weder Mama noch einer ihrer Brüder zu erblicken. Wer weiß, wo die sie jetzt suchten!

So stand denn Monika da in der Blumenbude, umgeben von all dem bunten, üppigen Blumenflor. Wie traumverloren sah sie in das Gewühl der Gäste. Aber trotz dieser Teilnahmslosigkeit wirkte sie entschieden anziehend; immer neue Besucher traten an ihren Tisch. Und Frau von Wetterhelm bedachte jeden der Kaufenden mit ihrem wohlwollenden Lächeln. — —

Dann fing die Feststimmung langsam an abzuflauen. Die verkaufenden Damen wurden müde, ganze Scharen von Besuchern drängten schon nach dem Ausgang.

Die Musikkapellen, die noch vor wenigen Stunden so überzeugt schmelzend das „Bella Napoli“ gebracht, ließen in ihrem Spiele eine gewisse Ermüdung merken. Auf die Feststimmung begann sich die beginnende Abspannung zu legen, das lähmende Bewußtsein des überschrittenen Höhepunktes.