Monikas reizbare Nerven empfanden diese Stimmung; wie ein Aschenflor legte es sich über ihr eben noch so heißes Empfinden. Mit nervösen Händen wühlte sie in den halbwelken Blumen, die vor ihr lagen, atmete den ersterbenden Duft ein, der all diesen kühlen Blütenkelchen entstieg.
Plötzlich zuckte sie zusammen. Unter den Leuten, die dem Ausgang zustrebten, hatte sie die hohe Gestalt ihres Freundes aus der Loge erkannt.
Spontan wich sie bis ganz in den Hintergrund des Verkaufsstandes zurück, eine Beute der widerstrebendsten Empfindungen. Sie wollte nicht, daß er sie bemerke — und trotzdem war eine herzklopfende Angst in ihr: „wenn er jetzt fortgeht, ohne mich zu sehen, dann seh’ ich ihn nie mehr wieder.“
Da schlug die scharfe Stimme von Frau von Wetterhelm an ihr Ohr.
„Vetter Georg, — Vetter Georg!“ rief sie mit einer so lauten Ungeniertheit, daß sich ein halbes Dutzend Köpfe nach ihr umdrehten.
Und dann — war es Wirklichkeit? Der Unbekannte trat heran und beugte sich über die Hand von Frau von Wetterhelm. Sie begrüßte ihn mit einem wahren Wortschwall.
„Welche Freude, Sie endlich mal wiederzusehen, Vetter Georg. Ich hörte schon, daß Sie jetzt hier in der Wilhelmstraße arbeiten. Aber zu mir haben Sie den Weg natürlich noch nicht gefunden.“
„Aber gnädigste Cousine,“ wehrte er ab, „ich bin erst seit so kurzer Zeit hier — —“
Plötzlich fiel sein Blick auf Monika, die sich ganz in einer Ecke versteckt hatte.
„Darf ich bitten, mich vorzustellen?“