Wetterhelm zog die Augenbrauen hoch. Wollte man ihm in der Tat zumuten, seine Werbung bei diesem Obersekundaner anzubringen?

Aber schon wurde die Tür aufgerissen. Monika kam herein, flog auf Wetterhelm zu und küßte ihn stürmisch auf den Mund.

„Was habt Ihr denn bloß so lange zu verhandeln?“ rief sie der wie erstarrt dasitzenden Mutter zu. „Ich kann doch nicht so lange draußen bleiben, wenn Georg da ist!“

Und sie küßte ihn von neuem.

„Jetzt kann ich allerdings nichts mehr einwenden,“ sagte Frau von Birken hilflos.

Heinzemännchen seufzte auf. War’s die Erleichterung darüber, daß die Verantwortung für Monika von jetzt ab auf stärkeren Schultern ruhen sollte als auf den seinen? —

Die Verlobungszeit sollte nur zwei Monate dauern. Frau von Birken fand das zwar geradezu ungebührlich kurz, aber es lag so gar kein Grund zum Warten vor. Im Gegenteil! Der Konsul erwartete bald seine Berufung auf einen überseeischen Posten und wollte selbstverständlich schon vorher heiraten.

Monikas Glück wurde oft ein wenig getrübt durch die Behandlung, die man ihr zu Hause an gedeihen ließ. Ihre Mutter, mit der sie jetzt die ganze Zeit zusammen war — seit ihrer Verlobung besuchte sie die Kurse nicht mehr — war nicht im mindesten anders zu ihr als sonst. Keine Spur einer anderen Stimmung war zu merken, nichts von der zärtlichen Ergriffenheit, die andere Mütter haben, wenn ihre einzige Tochter so bald schon fürs Leben das Haus verläßt. Frau von Birken nörgelte sogar mehr als sonst an Monika herum, sogar bei Sachen, von denen es nicht recht ersichtlich war, warum sie sie tadelnswert fand.

Auch Alfred und Heinrich trugen jetzt, trotz der nahen, dauernden Trennung von ihrer Schwester, kein liebenswürdigeres Wesen ihr gegenüber zur Schau als sonst. Nur Karl, der ja auch sonst lieb und nett gewesen, entfaltete eine außergewöhnliche Hochachtung. Monika hatte ihm durch ihre Verlobung sehr imponiert, und er raubte jetzt mit doppelter Begeisterung aus Mamas oder Heinzemännchens Portemonnaie ein paar Nickel, um ihr irgendeine Kleinigkeit „zum Freuen“ zu kaufen.

Monikas Liebe zu ihrem Bräutigam war in dieser kurzen Zeit noch gewachsen, aber das hinderte sie nicht, genau zu wissen, daß sie kein volles Ver ständnis bei ihm fand. Wenn sie Gedanken äußerte, zu denen sie sich nach heißem Ringen durchgekämpft, tat er das oft ab mit einem lächelnden: „Du bist sehr jung, Liebling!“