Als sie sich eben für den Abend umgezogen hatte, kam Georgs Diener mit einem Briefe von ihm, den er Auftrag hatte, dem gnädigen Fräulein selbst zu übergeben.

Monika schloß sich mit dem Schreiben ins Schlafzimmer ein; sie wußte, daß man sie sonst doch nicht bei der Lektüre ungestört ließ.

Und sie las:

„Liebe Monika,

es wird mir unendlich schwer, Dir diese Zeilen zu schreiben. Ich habe schwer mit mir gekämpft seit gestern abend. Nach reiflicher Ueberlegung aber halte ich es nun doch für besser, Dir zu sagen: wir passen nicht zueinander. Ich bin weit entfernt davon, die wundervollen Geistes- und Körpereigenschaften zu verkennen, mit denen die Natur Dich überschüttet hat. Aber Du hast Grundsätze, Anschauungen, Prinzipien, die für meine Frau unmöglich sind!

Ich habe das zuerst alles für Kindereien gehalten, aber wie Du gestern meiner alten Mutter ins Gesicht hinein erklärtest, daß das hohe Liebeswerk, das meine Schwester an ihr getan, „barer Unsinn“ sei, das gab mir einen Choc, den ich nicht überwinden kann.

Dann kam Dein Brief — — — Die Verse sind gewiß sehr schön und talentvoll, aber für ein junges Mädchen wenig passend. Die Tatsache, daß Du sie veröffentlichen willst, entspringt einem mir geradezu unbegreiflichen Mangel an Zartgefühl.

Wie kann man so intime Empfindungen der großen Menge preisgeben, sie der höhnischen Kritik jedes Uebelwollenden aussetzen. Wie kann man Gefühle, die in das tiefste Dunkel Deines Mädchenherzens gehören, an das grelle Licht der Oeffentlichkeit zerren?! — —

Aber genug von alledem!

Mit tiefem Schmerze reiße ich mich los von Dir in der Erkenntnis, daß unsere beiden Naturen zu grundverschieden sind, um je in eine harmonische Ehe zu verschmelzen.