Diese alle saßen, wie so oft, an einem Maiabend in dem kleinen Wohnzimmer, als die Korridorklingel kurz und heftig in Bewegung gesetzt wurde.

„Das ist gewiß Pietro,“ rief Edith von Gräbert lebhaft; sie hatte eine ausgesprochene Vorliebe für den jungen Italiener.

Bertha, die Hausherrin, ging, um zu öffnen.

Die Gäste hörten ihren überraschten Ausruf, und gleich darauf trat sie wieder ein, begleitet von einer jungen Dame, deren Erscheinung Sensation erregte.

„Wie kommt der Glanz in diese niedre Hütte?“ murmelte Edith, nachdem sie einen taxierenden Blick auf die elegante Toilette des Ankömmlings geworfen.

Sigrid Steen stieß ihrem Gatten den Ellenbogen in den Magen, da er ihrer Meinung nach den fremden Gast bewundernd angestarrt. Dimitri Iwanowitsch setzte sein Pincenez auf und nahm es nicht wieder ab, obwohl er es sonst, um seine sehr angegriffenen Augen zu schonen, nur zum Schreiben und Lesen trug.

Hans Fischer starrte die schöne Dame so verzückt an wie ein Kind eine einladende süße Speise — kurz es herrschte allgemeine Gemütsbewegung.

„Meine Cousine Frau von Wetterhelm,“ stellte Bertha vor. In ihrer Bestürztheit vergaß sie, nun die Namen der anderen Leute zu nennen.

Und diese alle saßen stumm wie die Oelgötzen; von allen diesen Leuten, die so gut und so viel reden konnten, wenn eine sie interessierende wissenschaftliche Frage aufgerollt war, fand keiner Worte, sobald es sich um eine leichte gesellschaftliche Unterhaltung handelte.

Monikas mondaine Gewandtheit half vorläufig über das peinliche Stillschweigen hinweg. Aber eine rechte Stimmung kam an diesem Abend nicht mehr auf. Die Gäste fühlten sich durch die elegante Fremde geniert und gingen sehr viel früher als gewöhnlich.