Sie sagte einstweilen gar nichts, sondern zog mit gewählt schönen Bewegungen den Faden durch die Arbeit. Man hörte in dem hübschen, eleganten Zimmer keinen anderen Laut, als den schweren Schlag der großen Uhr.

Monika konnte diese gespannte Stimmung nicht lange aushalten. Und so sagte sie, halb trotzig, halb flehend: „Tantchen, ich war bloß bei der Liese.“

Wenn sie geglaubt hatte, daß das ein Milderungsgrund sei, so sah sie sich getäuscht.

Tante wurde noch mehr als früher zürnende Gottheit, und dann ergoß sich über Monika eine Standpauke, die kein Ende zu finden schien. Erstens was die Unsitte betraf, allein auszugehen, zweitens der Mangel an Pünktlichkeit, drittens der unhygienische Leichtsinn, in eine Armeleutewohnung zu gehen, und so fort.

Immerhin schienen allmählich mildere Regungen in der Tante aufzudämmern, denn sie schloß mit den Worten: „Und nun klingle, daß man Dir den Kaffee nachserviert und den Napfkuchen. Du wirst einen schönen Hunger haben.“

Am Abend schrieb Monika ihrer Mutter einen Brief.

„Liebste Mama,

jetzt bin ich also wieder in dem geliebten Sarkow. Die Verwandten sind sehr nett zu mir, ausgenommen Marie, die so hacksig ist wie immer.

Bei der Liese war ich auch schon.

Liebe Mama, ich wollte ja sehr gern von zu Hause weg, aber als der Zug sich in Bewegung setzte und ich Euch gleich darauf nur noch aus der Ferne sah, da wurde ich doch riesig traurig. Ich habe mich auf der langen Fahrt hierher gefragt, warum eigentlich alles so gekommen ist, und warum wir uns die letzte Zeit so schlecht standen, wo es doch früher so herrlich war. — Damals, als ich noch klein war und Dir alles, alles sagte. —