Ja, das alles konnte sie, in der Kraft ihrer blühenden Jugend, die keinen Zügel mehr tragen würde, — — ungezählte Reichtümer zur Hilfe, und einen Mann zur Seite, der ein Sklave ihrer Launen war.

„Schrankenlos genießen“ — — hatte er gesagt.

Und wie ein brausender Jubelchor klang es ihr in den Ohren: „schrankenlos... genießen...“

Und doch... und doch... Es war keine volle Harmonie in diesem Hymnus. Wohl klangen die Instrumente so lockend, lachten vor Rausch und Lust, aber irgendwo schluchzte eine Geige, schluchzte so tief schmerzlich — so unerträglich sehnsüchtig — —

Was war es denn, was die schluchzte? Ein Wort nur, ein einziges Wort: „Georg“...

Aber sie jagte diesen Gedanken von sich. Er war ein Egoist, er hatte sie nie geliebt. Und nur jetzt keine falsche Sentimentalität.

Sie war entschlossen. Sie wußte, was sie Lork morgen antworten würde.

Als sie vom Schwimmbad nach Hause kam, den Blick gesenkt, um nicht wieder in Unterhaltungen verwickelt zu werden, die sie störten, wurde sie, als sie die Halle durchschritt, angerufen.

„Ah, Frau von Wetterhelm,“ klang es ihr, in einer schnarrenden Stimme gesprochen, ins Ohr.

Sie mußte eine Sekunde lang nachdenken, wo sie dieses narbenzerrissene Greisengesicht schon gesehen, dies Gesicht mit dem bulldoggenhaften Ausdruck und einem goldgefaßten Monokel im linken Auge.