Sie war liebenswürdig, kokett, sehr kapriziös, dabei ohne jede Energie — ein schlankes, schwankes Schilfrohr.
Es hatte mal eine Zeit gegeben, wo sie dem Herzen des Doktors gefährlich gewesen war. Ein paar unvergessene Sommerabende auf des Herrenhauses Terrasse, während vom Park herauf der Flieder duftete.
Ja, so hatten die Fliederbüsche wohl nie wieder geblüht wie in dem Jahre — in so lastender Fülle — und so betäubend hatten sie wohl nie mehr geduftet wie damals.
Baron Birken war, wie so oft, bei „seinem“ Regiment in Hahndorf gewesen. Und der Doktor las auf der Terrasse Frau von Birken vor: Mirza Schaffys Gedichte.
Er hatte die heißen Worte gesprochen, wie man nur sprechen kann, wenn man liebt!
Und ihre Augen schienen Antwort zu geben auf all seine stummen Fragen...
Eine trunkene Hoffnung schwellte in diesen Tagen des Doktors ganzes Sein.
Nicht lange nachher wurde er zu einem Gartenfest nach Sarkow geladen. Da sah er, daß die hübsche Schloßherrin, wenn sie mit Kerkow von den Hahndorfer Dragonern sprach, genau ebenso liebevoll und verständnisinnig aussah wie an jenen Abenden, als der Flieder blühte.
Und als der schöne Schmettwitz erschien, hatte sie nur für dessen Hünenfigur noch Augen und strahlte förmlich vor Glück, als sie mit ihm die Polonäse schritt.
Der Doktor überwand die Enttäuschung schnell und freute sich nun nach Ueberwindung der sentimentalen Krise, ohne Nebengedanken des freundlichen Empfanges, dessen er auf Sarkow immer gewiß war. Der Hausherr war ein brillanter Gesellschafter, und Frau von Birken legte beim Erscheinen des Doktors regelmäßig eine Freude an den Tag, als ob sie einen geliebten Freund nach langjähriger Trennung wiederfände.