Sie war dann in reizender Weise um den Doktor besorgt, besonders in kulinarischer Beziehung leistete sie Ueberraschendes. Jedesmal gab es eine ganze Reihe ausgezeichneter Gerichte, deren Zubereitung sie womöglich selbst überwachte.

So oft es ihr ihr Gatte, der diese Art sehr unvornehm fand, auch verboten, sie fand doch immer wieder „ein Momentchen“, um in die Küche hinunterzulaufen und dort der Bertha, der in Birkens ganzem Bekanntenkreise berühmten alten Bertha, nochmals einzuschärfen:

„Aber recht viel Schmand an die Sauce, Bertha,“ oder „daß mir die Kaulbarsche bloß nicht zu lange kochen.“

Bertha pflegte diese Ermahnungen nur mit einem verachtungsvollen: „Weeß ich alleene!“ zu beantworten.

Ja, als der Doktor einmal krank war und sich recht verlassen und elend fühlte, allein in seinem Hause mit einer bäuerlichen Aufwärterin, hatte Frau von Birken ihm täglich alle Mahlzeiten hinausgeschickt und sich, was die Menüs anbetraf, geradezu selbst überboten.

Daß ihre Gefühle nicht nur im Materiellen wurzelten, bewies sie sowohl durch die Blumen sträuße, die sie den nahrhaften Gaben beifügte, als auch durch die ausgewählten Büchersendungen.

Ja, sie war schon eine liebe Frau.

Und sie blieb sich gleich.

Man konnte kein Aelter-, kein Reiferwerden an ihr konstatieren.

Sie hatte ihre backfischhafte Koketterie noch, als die Kinder heranwuchsen, als Alfred schon ein großer Quintaner war und Monika schon den Trojanischen Krieg in unleugbar talentvollen Versen besang.