Ja, Monika! — Die war wohl des Doktors reinste Freude gewesen. Die anbetende Bewunderung und das grenzenlose Vertrauen, das sie ihm entgegenbrachte, ihr glühendes Miterleben, wenn er ihr von den uralten Märchen der Menschheit sprach, wenn sie bittere Tränen vergoß um das Schicksal des männermordenden Peliden oder selig strahlte über eine gelungene List des edlen Dulders Odysseus.
Mit der Freude, die ein Gärtner hat, wenn an einer von ihm gezogenen Pflanze eine neue Knospe sprießt, war er ihrer Entwicklung gefolgt.
Aber schon als sie zehn Jahre alt war, hatte der Birkensche finanzielle Zusammenbruch, der die Familie veranlaßte, nach Berlin zu gehen, Monika seinem Einflusse entzogen.
So wie er sie heute wiedergesehen, versprach sie viel für die Zukunft, versprach, körperlich und geistig ein Edelexemplar zu werden.
Wieviel sie davon halten würde?
Ein müdes Zucken hob die Schultern des Doktors.
Er hatte schon zu viele schöne Knospen gesehen, die gar vulgäre Blumen wurden.
Und dann — es war ja schließlich gleichgültig — es war ja alles so gleichgültig.
Mit müder Gebärde schenkte er sich aus der Rumflasche ein und blies in dichten Wolken den Qualm seiner billigen Zigarre vor sich hin. —
Als Monika zu Hause ankam, ziemlich beunruhigt, wie diese neue Durchgängerei wohl aufgenommen werden würde, kam sie zu ihrer großen Freude völlig unangefochten in ihr Zimmer.