Namrūd: »Still, o Bruder! Steige hinab und ziehe Korn herauf! Es ist warm unten!«
Beni Sachr: »Lob sei Gott, dem Allmächtigen!«
Chor der Kamele: »B-b-b-b-b-dd! G-r-r-o-o-a-a-!«
Kameltreiber: »Still, ihr Verdammten! Möget ihr in den Schmutz gleiten! Gottes Zorn komme über euch!«
Chor der Suchūr: »Gott! Gott! Beim Lichte seines Angesichtes!«
In der Dämmerung ging ich in das Dienerschaftszelt und fand Namrūd, der bei dem Feuer, an dem mein Essen kochte, mit leiser Stimme Geschichten von Mord und Raub erzählte.
»In den Tagen meiner Kindheit,« sagte er (und diese Tage lagen noch nicht weit zurück), »konnte man nicht einmal das Ghor in Ruhe überschreiten. Aber ich hatte ein Pferd, das ging! — Wāllah! wie es ging! Zwischen Sonnenaufgang und -untergang trug es mich von Mezerīb nach Salt, ohne seinen Schritt zu wechseln. Überdies war ich allen Ghawārny (Eingeborenen des Ghor) bekannt. Und eines Nachts mußte ich nach Jerusalem reiten — ich mußte, ob ich wollte oder nicht. Der Jordan hatte wenig Wasser, und ich überschritt ihn an der Furt, denn es gab damals noch keine Brücke. Und als ich an das andere Ufer kam, hörte ich Schreien und das Aufklatschen von Kugeln. Über eine Stunde hielt ich mich in dem Tamariskengebüsch verborgen, bis der Mond unter war; dann ritt ich vorsichtig weiter. Am Anfang der Schlammhänge machte mein Pferd plötzlich einen Seitensprung; ich sah hinunter und erblickte den Körper eines Menschen — nackt und mit Messerstichen bedeckt. Er war ganz tot. Und als ich noch hinabstarrte, sprangen sie hinter den Schlammhängen hervor, zehn Reiter, und ich nur einer. Ich retirierte nach dem Dickicht zu und feuerte meine Pistole zweimal ab, aber sie umringten mich, zogen mich vom Pferde und banden mich. Danach wurde ich wieder hinaufgesetzt und fortgeführt. Und als sie an ihren Rastort kamen, berieten sie, ob sie mich töten sollten, und einer sprach: »Wāllah! macht doch ein Ende!« Er kam heran und sah mir ins Gesicht. Es dämmerte. »Es ist Namrūd,« sprach er, denn er kannte mich, und ich war ihm einmal zu Hilfe gekommen. Da machten sie mich los und ließen mich gehen, und ich ritt nach Jerusalem.«
Die Maultiertreiber und ich lauschten mit atemloser Aufmerksamkeit einer Erzählung nach der anderen.
»Es herrschen gute und schlechte Gebräuche unter den Arabern,« sagte Namrūd, »aber der guten sind viele. Wenn eine Blutfehde zu Ende gebracht werden soll, begeben sich die beiden Feinde zusammen in das Zelt des Klägers. Der Herr des Zeltes entblößt sein Schwert, wendet sich nach Süden zu und zieht, unter Anrufung des Namens Gottes, einen Kreis auf den Fußboden. Dann nimmt er einen Streifen von der Zeltwand sowie eine Hand voll Asche vom Herde, wirft beides in den Kreis und schlägt siebenmal mit dem bloßen Schwerte auf den Strich. Nun springt der Angeklagte in den Kreis, und einer der Anverwandten seines Widersachers ruft mit lauter Stimme: »Ich nehme den Mord, den er verübt, auf mich!« Damit ist der Friede hergestellt. O meine Dame, die Frauen dieses Stammes erfreuen sich großer Macht, und die Mädchen sind sehr angesehen. Denn wenn eines sagt: ‚Ich möchte den und den zum Gatten haben,’ so muß er sie heiraten, will er nicht Schande auf sich laden. Und hat er schon vier Frauen, so soll er sich lieber von einer scheiden lassen und an ihrer Stelle die heiraten, die seiner begehrt. Denn so verlangt es die Sitte bei den Arabern.«