Danach wandte sich Namrūd zu meinem drusischen Maultiertreiber und fuhr fort:

»O Mohammed, hüte dich! Die Zelte der Suchūr sind nahe, und es herrschte nie Friede zwischen den Beni Sachr und den Drusen. Kennten sie dich, sie würden dich sicherlich töten — nein, nicht nur töten, sondern dich lebendig verbrennen, ohne daß die Dame oder auch ich dich schützen könnten.«

Das warf kein günstiges Licht auf den Charakter meines Freundes Nahār, der gegen ein Tuch Gastfreundschaft mit mir ausgetauscht hatte, und die kleine Gruppe am Feuer war denn auch infolge dieser Mitteilung etwas gedrückt. Aber Michaïl war der Situation gewachsen.

»Lassen sich Ew. Exzellenz nicht beunruhigen,« sagte er, sein gedünstetes Gemüse zierlich anrichtend, »bis wir das Drusengebirge erreichen, soll er ein Christ sein und nicht Mohammed, sondern Tarif heißen, welches ein bei den Christen üblicher Name ist.«

So bekehrten und tauften wir den erstaunten Mohammed, noch ehe die Kottelets aus der Pfanne genommen werden konnten.


Drittes Kapitel.

Am Morgen des 12. Februar, es war ein Sonntag, stürmte es noch immer, doch beschloß ich trotzdem weiterzureisen. Die in Tneib verbrachten Tage waren zwar nicht verloren, findet man doch nicht oft Gelegenheit, das Leben auf diesen in die Wüste vorgeschobenen Farmen stündlich zu beobachten. Aber meine Gedanken waren bereits vorausgeeilt, und ich sehnte mich, ihnen auf dem Pfade zu folgen, den sie eingeschlagen. Ich glaubte sie einzuholen, als die Hufe unserer Pferde auf den Schienen der Haddjbahn erklangen, und wir unser Antlitz der Wüste zuwandten. In nordöstlicher Richtung vorwärts eilend, ließen wir Mschitta etwas südlich liegen. Obgleich niemand, der diese Ruine in all ihrer Lieblichkeit gekannt hat, auf den Gedanken kommen wird, den jetzt so entstellten Mauern einen zweiten Besuch abzustatten, will ich doch nicht unterlassen, hier etwas über den Vandalismus zu sagen, mit dem sie ihrer Schönheit beraubt worden sind. Hätte man dieses herrliche Baudenkmal, das länger als tausend Jahre von aller Zerstörungswut, den Einfluß der Winterstürme ausgenommen, verschont geblieben war, nicht auch noch weiter unberührt in dieser Hügellandschaft stehen lassen können, der sie in ihrer phantastischen Schönheit einen so romantischen Reiz verlieh? Aber da ist die Eisenbahn erbaut worden, die Ebene füllt sich, und weder der syrische Bauer noch der türkische Soldat sind geneigt, Mauern zu verschonen, die ihnen von praktischem Nutzen sein können. Mögen deshalb alle, die die Ruine in ihrem ursprünglichen Zustande sahen, sich dankbar und ohne zu großes Bedauern der schönen Erinnerung freuen.