»Der Geist der Drusen gleicht edlem Stahl, aber was ist Stahl, ehe er zu einem Schwert geschmiedet worden ist?«

Selmān entgegnete: »Mein Onkel Schibly konnte weder lesen noch schreiben.«

»Die Zeiten sind andere geworden,« sagte ich. »Das Haus Turschān wird geschulter Köpfe bedürfen, wenn es wie in alten Zeiten die Bewohner der Berge anführen soll.«

Mit dieser Führerrolle ist es freilich für immer vorbei, denn Schibly ist tot und Yahya kinderlos, Mohammed alt und Selmān unerzogen. Nun hat Faiz zwar vier Söhne hinterlassen, sie stehen aber nicht in Ansehen; Nasīb ist schlau aber ungebildet, Mustafa zu Imtain gilt für einen braven, wenig intelligenten Mann, und Hamūd von Sueda hat weiter nichts als seinen Reichtum. Der fähigste der Drusen ist ohne Zweifel Abu Tellāl von Schahba, und der scharfsinnigste Scheich Mohammed en Nassār.

Wir hatten eine bitterkalte Nacht. Der Kältegrad konnte zwar nicht genau festgestellt werden, denn mein Thermometer war zerbrochen, aber bis wir Damaskus erreichten, war das Wasser im Glase neben meinem Bett jeden Morgen ausgefroren, und in der einen Nacht war sogar der kleine tosende Fluß vor dem Lager still, weil hart gefroren. Gewöhnlich wurden Vieh und Maultiere in einem Khan (Karawanserei) untergebracht, solange der Frost anhielt. Kaum war unser Zelt aufgestellt worden, so verschwand Mohammed, der Druse (er war nun zu seinem eigentlichen Namen und Glauben zurückgekehrt), um sich während der Nacht der Gastfreundschaft seiner Sippe zu erfreuen. »Hm,« kommentierte Michaïl sarkastisch, »bei dem ist jeder, von dem er seine Mahlzeit erwischen kann, der Sohn seines Onkels.«

Ich mußte meinen morgigen Aufbruch verschieben, weil der Scheich mich zu einer sehr dehnbaren Zeit zum Frühstück geladen hatte. »Zwei Stunden nach Sonnenaufgang« — war gesagt worden, aber wer kann denn sagen, wann es dem Tagesgestirn beliebt, sich zu erheben? Es war eine angenehme Sitzung. Wir besprachen den Krieg in Jemen nach allen Seiten hin (im Grunde war ich die einzige Person, die irgendwelche Kunde davon hatte, und die meinige entstammte einer einige Monate alten Weekly Times), dann wollte Mohammed wissen, warum die Europäer so eifrig nach Inschriften forschten.

Flora und Fauna in der Wüste.

»Ich kann mir's ja denken,« fügte er hinzu, »sie werden wahrscheinlich das Land seinen früheren Besitzern zurückgeben wollen.«

Und als ich ihm versicherte, daß die letzten Sprossen der ehemaligen Herren des Haurān an die tausend Jahre tot wären, hörte er höflich zu und ging mit der unsicheren Miene eines Mannes, der um eine Antwort verlegen ist, auf ein anderes Thema über.