Blick von der Burg Salchad nach Südosten.
Wir kletterten über den halbgefrornen Schlamm und an der schneebedeckten Nordseite des Vulkans entlang, bahnten im Dunklen unsern Weg um die Mauern der Burg, wo die Lava unter unsern Füßen nachgab, und sahen uns endlich im hellen Mondschein der wildesten Szene gegenüber, die je ein Auge sah. Eine Schar Drusen, junge Männer sowohl als Knaben, stand auf dem schmalen Rücken des Hügels, am Rande des Festungsgrabens. Sie waren sämtlich mit Schwertern und Messern bewaffnet und brüllten Strophe um Strophe eines entsetzlichen Liedes. Jede Zeile wurde zwanzigmal oder öfter noch wiederholt, bis es dem Hörer zumute war, als hätte sie sich in die tiefsten Falten seines Geistes eingefressen, wie scharfe Säuren in ein Metall.
»Auf sie, auf sie! Herr unser Gott! Laß den Feind in Schwaden unter unsern Schwertern fallen!
Auf sie, auf sie! Laß unsre Speere ihr Herzblut trinken!
Laß den Säugling sich lösen von der Brust der Mutter!
Laß den Jüngling sich erheben und fallen!
Auf sie, auf sie! Herr unser Gott! Laß unsre Schwerter ihr Herzblut trinken!«
So sangen sie, und es schien, als wolle ihr Grimm nimmer enden, als müßten die Mauern der Burg auf ewig von ihrer Wut widerhallen, als solle die Nacht nie wieder in Schweigen versinken. Aber da brach mit einemmal der Gesang ab, die Sänger traten auseinander und bildeten, sich bei den Händen fassend, einen Kreis. Hinein traten drei junge Drusen mit nackten Schwertern und schritten an dem Ring begeisterter Jünglinge entlang. Vor jedem einzelnen blieben sie stehen, schwangen das Schwert und riefen:
»Bist du ein guter Mann? Bist du ein echter Mann?«
Und jeder schrie jauchzend:
»Ha! ha!«
Das Mondlicht fiel auf die dunklen Gesichter und glitzerte auf den zitternden Klingen, feurige Kriegslust ging von Hand zu Hand, und die Erde schrie zum Himmel auf: »Krieg! Blutiger Krieg!«
Da erblickte einer der Männer plötzlich mich im Kreise; er kam heran und schwang das Schwert über meinem Haupte, gleichsam als Gruß von Nation an Nation, und rief: