»Meine Dame! Engländer und Drusen sind eins!«
Worauf ich erwiderte: »Gott sei Dank! Auch wir sind ein kämpfendes Volk.«
Fürwahr, in diesem Moment dünkte mir nichts herrlicher, als auszuziehen und den Feind zu schlagen.
Als diese Vereidigung der Krieger vorbei war, rannten wir, uns noch an den Händen fassend, im Mondlicht den Hügel hinab, und da ich bemerkte, daß einige von ihnen noch Kinder waren, sagte ich zu dem Kameraden, dessen Hand der Zufall in die meine gelegt:
»Ziehen alle diese mit euch aus?«
Er erwiderte: »Nein, bei Gott! Nicht alle. Die Knaben müssen daheim bleiben und zu Gott beten, daß auch ihr Tag bald kommen möge.«
An der Stadt angelangt, sprangen die Drusen auf das flache Dach eines Hauses und nahmen ihren satanischen Gesang wieder auf. Das Feuer auf den Mauern war nun erloschen, die Nacht wurde plötzlich kalt, und es regten sich Zweifel in mir, ob Milhēm und der Vāli von Damaskus an die Harmlosigkeit meiner Reise glauben würden, wenn sie gewahrten, daß ich mich an einer Demonstration gegen die Suchūr beteiligte. Daher schlug ich mich in den Schatten, rannte nach meinen Zelten und wurde wieder zur Europäerin, die, friedlichen Zielen zustrebend, den rauhen Leidenschaften der Männer fernbleibt.
Wir blieben zwei Tage in Salchad, hatten wir uns doch über unsre Reise zu befragen und Vorräte anzuschaffen, ehe wir nach der Ostseite des Gebirges aufbrachen, wo es keine Dörfer gibt. Der Proviantmeister hat die größte Schwierigkeit, in Salchad Gerste für die Tiere zu schaffen. In Umm er Rummān war genug für unsern Bedarf gewesen, auch in Sueda, dem Hauptsitz der türkischen Regierung, ist nie Mangel daran. Das aber lag weit jenseits der Hügel, und wir beschlossen daher, nach Imtain zu schicken, wohin der Weg schneefrei war. Ich unterlasse auch nicht zu erwähnen, daß es im Winter unmöglich ist, einen Hammel zu kaufen, da das Vieh dann stundenweit weg in der Ebene ist, und was Hühner anbetrifft, so muß der Reisende mit den dürrsten Exemplaren fürlieb nehmen, die aufzutreiben sind. Michaïl war nicht wenig entrüstet über den Mangel an Umsicht, der unsre Speisekammer so schlecht bestellt hatte, denn er tat sich auf das Braten eines Hammelschlegels etwas zu gute, und nun wollte er wissen, warum die Bücher, die ich bei mir führte, sich über den Mangel an dieser Delikatesse ausschwiegen. Auf meine Erklärung, daß den Verfassern dieser Werke römische Altertümer wichtiger wären als Rostbraten und Steaks, sagte er kurzweg:
»Wenn Ew. Exzellenz ein Buch schreiben, werden Sie nicht sagen: Hier befindet sich eine schöne Kirche, dort ein großes Schloß! Das sehen die Herrschaften von selbst. Aber Sie werden sagen: In diesem Dorfe gibt es keine Hühner. Dann wissen die Leute von Anfang an, was für eine Gegend es ist.«