Bosra Eski Schām.

»Sehen Sie, Exzellenz,« sagte ein Mann, der Kaffee über einem Kohlenbecken bereitete, »in der Stadt haben sie nicht so viel Religion wie in den kleinen Landorten.«

»Ja,« fiel Milhēm ein.

»Gott lasse das Ja über dein Haupt kommen!« rief der Kurde aus.

»Lohn dir's Gott, o Agha! In der großen Moschee von Damaskus kann man zum Freitagsgebet Leute genug finden, vielleicht auch einige in Jerusalem, in Smyrna aber und Beirut sind die Kirchen leer, und die Moscheen leer. Sie haben keinen Glauben mehr.«

»Meine Freunde,« nahm der Agha das Wort, »ich will euch den Grund sagen. Auf dem Lande sind die Leute arm und brauchen viel. Von wem sollen sie es fordern, wenn nicht von Gott? Wer hat Mitgefühl für die Armen, als Er allein? Aber in der Stadt sind sie reich und haben alles, was sie brauchen; warum sollten sie zu Gott beten, wenn sie nicht zu bitten haben? Die Dame lacht — ist es bei ihrem Volke nicht ebenso?«

Ich gab zu, daß in dieser Hinsicht sehr wenig Unterschied zwischen Europa und Asien sei, und überließ dann die Gesellschaft ihrem Kaffee und ihrer weiteren Unterhaltung.

Spät in der Nacht klopfte jemand an mein Zelt, und eine Frauenstimme rief:

»Meine Dame, meine Dame, sind nicht die Engländer gütig? Möge das Herz einer Mutter den Kummer eines Mutterherzens hören und diesen Brief meinem Sohne bringen!«