Darauf fügte ich noch hinzu: »Ich komme von dort — grüßt es von mir!« worauf sie antworteten:

»Gott grüße dich! Gehe in Frieden!«

Nie wird der Reisende das Drusenland ohne ein Gefühl des Schmerzes verlassen, nie auch ohne das ernste Gelübde, sobald als möglich dorthin zurückzukehren.

Haus des Scheich, Hayāt.

Nachdem wir unter dem schützenden Auge des Sultans vorübergezogen waren, stellte es sich heraus, daß mir für den nächsten Tag ein Weg durch ein recht gefährliches Stück Land bevorstand. Die Zirkassier und Türken von Brāk (die Türken waren liebenswürdige Leute aus dem nördlichen Kleinasien) redeten mir ernstlich ab, den kürzeren Weg über die Berge nach Damaskus zu wählen, so ernstlich, daß ich den Gedanken beinahe aufgegeben hätte. Die Hügel sollten von Räubern wimmeln, in der jetzigen Jahreszeit aber von arabischen Lagern gänzlich verlassen sein, so daß die Wegelagerer schalten und walten konnten, wie sie wollten. Glücklicherweise hörten wir am andern Morgen, daß eine Kompagnie Soldaten über die Berge nach Damaskus reiten würde, und dieses Gerücht ermutigte uns, in ihrem Schutz desselben Wegs zu ziehen. Sie kamen uns nicht zu Gesicht; ich glaube auch gar nicht an ihr wirkliches Vorhandensein. Dagegen sahen wir gerade auf dem schlimmsten Stück des Weges ein paar schwarze Zelte zum Trost, die Räuber aber müssen anderweitig beschäftigt gewesen sein, denn sie erschienen nicht. Zweierlei war mir interessant zu beobachten, erstens nämlich, daß das Wüstenleben sich bis auf wenige Meilen vor Damaskus erstreckt, eine Tatsache, die mir früher, als ich auf der Hauptstraße reiste, entgangen war, und zweitens, daß der Friede des Sultans, wenn man es überhaupt Friede nennen kann, fast an den Mauern der syrischen Hauptstadt aufhört. Wir kreuzten den Nahr el 'Awadj, den alten Pharpar, und erreichten kurz nach Mittag das zirkassische Dorf Nedja. Hier machte ich Halt, um mein Frühstück unter einigen Pappeln einzunehmen, der ersten Baumgruppe, die ich seit meiner Abreise von Salt gesehen.

Wie man auch nach Damaskus kommt, ob auf einem Richtweg oder auf der Chaussee, ob vom Haurān oder von Palmyra — immer scheint die Entfernung weiter als nach irgend einem anderen bekannten Ort. Vielleicht liegt es daran, daß der Reisende so begierig ist, die große, prächtige Araberstadt zu erreichen, die in einen Kranz von Obstbäumen eingebettet liegt und von dem Geriesel rinnenden Wassers erfüllt ist. Aber bei Geduld nimmt auch der längste Weg endlich ein Ende, und so erreichten auch wir endlich die Aprikosengärten und das Bawābet Ullah, die Tore Gottes, und schritten hinein in das Meidān, das große Viertel voll Läden und Karawansereien, das sich wie der Stiel eines großen Löffels bis in die Schüssel hinein erstreckt, in der die Minarets und Kuppeln der vornehmen Stadtteile liegen. Um 4 Uhr war ich im Hotel Viktoria einquartiert und hielt die Briefe und Zeitungen eines ganzen Monates in Händen.


Siebentes Kapitel.