»Djerūdis goldne Rosse sind berühmt,
und schön die Reiter auf der wirren Flucht!
Mohammed Pascha, sage deinem Herrn,
wo sind die Mannen, wo die Waffen?«

Das Lied wird nicht oft vor ihm gesungen.

Tekyah des Nakschibendi.

Mein nächster Gast war Scheich Hassan Nakschibendi, der mit dem glatten und schlauen Frömmlergesicht. Er wußte sogar die zehn Minuten gut auszunützen, die er im Gastzimmer des Wirtshauses verbrachte. Denn als er einen prunkvollen Ring an Sēlim Begs Finger erspähte, wünschte er ihn zu sehen und fand so großen Gefallen daran, daß er ihn in die Tasche steckte und bemerkte, Sēlim würde gewiß gern seiner khānum (jüngsten Frau), die er vor ein oder zwei Jahren geheiratet, ein Geschenk damit machen. Sēlim schlug darauf vor, sofort nach seinem Hause in Salahijjeh zu fahren, um das Präsent zu überbringen, und da Scheich Hassan und Mohammed Pascha ihre Landauer an der Tür hatten, stiegen wir ein und fuhren durch die freundlichen, festtägigen Straßen nach Salahijjeh. Vor der Tür des Hauses meinte Sēlim, ich möchte mich erst vom Vāli, der ganz nahe wohnte, verabschieden, und er borgte Djerūdis Wagen, »des Pompes halber«. Dann sagte Sēlim zu Mohammed Pascha:

»Ihr kommt nicht mit uns?« Eine sarkastische Frage, denn er wußte gar wohl, daß Djerūdi gerade in Ungnade und eben erst aus wohlverdienter Haft entlassen worden war.

Djerūdi schüttelte den Kopf, kam dann ganz nahe heran an uns, die wir im Landauer saßen, und flüsterte:

»Sagt etwas zu meinem Gunsten beim Pascha!«

Wir versprachen das lachend. Im Fortfahren vertraute mir Sēlim an, daß auch kein einziger Mann zu ihm selbst gehalten hätte, als er in Ungnade war (»nur Intrigen meiner Feinde waren daran schuld«), kein einziger hätte ihm helfen wollen; jetzt aber, wo er in Gunst stand, würde er von allen Seiten um seine Vermittlung gebeten. Und, die Rockschöße um sich breitend, lehnte er sich in stolzem Selbstbewußtsein in Djerūdis Wagen zurück.

Nāzim Pascha stand auf der Türschwelle und verabschiedete sich eben vom Oberbefehlshaber. Er stieg die Stufen herunter und lud uns mit der größten Freundlichkeit in sein Haus. Und dieser zweite Besuch bei ihm (er hatte mich inzwischen aufgesucht) war weit weniger förmlich als der erste. Wir unterhielten uns über den Krieg in Japan, ein Stoff, der meinen jungen und alten Partnern im Gespräch überhaupt nie fern lag, und ich erkühnte mich, ihn um seine Ansicht zu befragen.