Steinlager, Ba'albek.
Hassan Beg Nā'i war ein rothaariger und rotbärtiger Mann mit den harten Zügen des schottischen Hochländertypus. Er war freilich gar nicht entzückt, mich zu sehen, aber auf die Bitten des Zaptieh kroch er doch aus seiner Klause hervor, wo er mit seinen Freunden den Freitagsmorgenkaffee trank, führte mich über die Straße in seinen Harem und überließ mich den Frauen, die ebenso freundlich waren, wie er sich sauertöpfisch gezeigt hatte. Sie zeigten sich in der Tat höchst erfreut über den Besuch, denn Hassan Beg ist ein gar gestrenger Herr, welcher weder Frau noch Mutter oder irgend einer anderen Angehörigen erlaubt, die Nase aus der Tür zu stecken; nicht einmal ein Spaziergang im Friedhof oder eine Fahrt am Orontesufer an einem schönen Sommernachmittag ist ihnen gestattet. Der Harem war ehemals ein sehr schönes arabisches Haus nach Art der Häuser von Damaskus. Zimmer und Liwān (Sprechzimmer im Hintergrund des Hofes) waren gewölbt, aber der Stuck blätterte sich ab, und Fußboden sowie Treppen knirschten unter den Füßen der Dahinschreitenden. In die eine Mauer war eine Marmorsäule mit einem Akanthuskapitäl gebaut, und auf dem Fußboden des Liwān stand ebenfalls ein großes, in seiner Art hübsches, wenn auch einfaches Kapitäl. Es war jetzt in ein Wasserbecken verwandelt worden, mag aber wohl als Taufstein gedient haben, ehe die Araber Emesa einnahmen, und nachdem die älteren Gebäude der Römerstadt in Verfall geraten waren, und ihr Material zu anderen Zwecken genommen wurde. Auf meinem Heimweg kam ich an einem schönen Minaret vorbei, das abwechselnd schwarze und weiße Streifen zeigte. Die Moschee oder christliche Kirche, zu welcher der Turm gehört hatte, war eingefallen; wie mein Zaptieh berichtete, soll der Turm für den ältesten der Stadt gelten. Sicherlich war die Moschee am Eingang zum Bazar von nicht geringem architektonischen Wert.
Rās ul 'Ain, Ba'albek.
Da Homs weiter nichts Sehenswertes bot, und der Nachmittag schön war, ritt ich nach dem Anger am Orontes hinab, der in Frühlings- und Sommertagen einen beliebten Schauplatz für alle Feiertagsbelustigungen abgibt. Der Orontes läßt Homs eine gute Meile südlich liegen, und die Versorgung mit Wasser ist, nach Beschaffenheit und auch Menge, unbefriedigend, da sie einem Kanal entstammt, der am Nordende des Sees seinen Anfang nimmt. Der Orontesanger, Mardj ul 'Asi, gibt einen guten Begriff von den Örtlichkeiten, wo der Orientale, mag er Türke, Syrer oder Perser sein, seine Mußestunden zuzubringen liebt. »Drei Dinge sind es,« sagt das arabische Sprichwort, »die das Herz von Kummer befreien: Wasser, grünes Gras und Frauenschönheit.« Der hurtige Orontes strömte durch die bereits mit Gänseblumen besternten grünen Flächen, unter Weidenbäumen, die schon der Hauch des Frühlings gestreift hatte, stiegen leicht verschleierte Christendamen von ihren Mauleseln. Das Wasser drehte eine große Na'oura (persisches Rad), sein angenehmes Rauschen erfüllte die Luft. Ein Kaffeekocher hatte an der Straße sein Kohlenbecken aufgestellt, ein Zuckerwarenhändler breitete am Ufer seine Schätze aus, und auf der breiteren Rasenfläche tummelten buntgekleidete Jünglinge ihre Araberstuten. Der Osten hielt in der ihm eigenen, zufriedenen Weise Feiertag, und seine eigene Sonne spendete ihre Wärme dazu.
Zedern des Libanon.
Der übrige Nachmittag wurde der Geselligkeit und den fruchtlosen Bemühungen gewidmet, der Neugierde der Städter zu entgehen. Es war ein Freitagnachmittag, und wie hätte man ihn besser anwenden können, als sich in einer Schar von vielen Hunderten rings um meine Zelte aufzustellen und jede Bewegung jeder einzelnen Person im Lager zu beobachten? Trieben es die Männer schon schlimm genug, so übertrafen die Frauen sie noch, und die Kinder waren am schlimmsten. Nichts konnte sie zurückschrecken, und die Aufregung erreichte ihren Gipfel, als Abd ul Hamed Pascha Druby, der reichste Mann von Homs, vorsprach und den Kādi Mohammed Sāid ul Chāni mitbrachte. Bei dem uns umgebenden Auf- und Abwogen der Menge konnte ich unmöglich der interessanten, geistreichen Unterhaltung die gebührende Aufmerksamkeit widmen; als ich eine Stunde drauf den Besuch in des Paschas schönem neuen Hause am Stadttor erwiderte, war ich von mindestens 300 Personen begleitet. Ich muß einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen haben, als die Tür sich hinter meiner eignen Begleitung schloß, denn nachdem ich mich in dem kühlen, ruhigen Liwān niedergelassen, sagte 'Abd ul Hamed: