»Möge Gott geben, daß das Volk Ew. Exzellenz nicht belästigt, ich werde sonst ein Regiment Soldaten ausschicken.«

Ich murmelte eine mir nur halb von Herzen kommende Ablehnung, hätte ich doch mit Befriedigung jene kleinen Burschen von einer ganzen Musketensalve niedergestreckt gesehen. Darauf bemerkte der Pascha nachdenklich:

»Als der deutsche Kaiser in Damaskus weilte, gab er Befehl, daß niemandem untersagt würde zu kommen und ihn sich anzusehen.«

Kamūa Hurmul.

Mit diesem erhabenen Vorbild vor Augen ward mir klar, daß ich die Buße für Größe und fremde Herkunft klaglos auf mich nehmen mußte.

Das Gespräch ging auf religiöses Gebiet über. Ich fragte nach den Nosairijjeh, aber der Kādi verzog den Mund und erwiderte:

»Es sind keine angenehmen Leute. Einige geben vor, 'Ali anzubeten, andre verehren die Sonne. Sie glauben, daß, wenn sie sterben, ihre Seele in den Körper von anderen Menschen, ja sogar Tieren übergeht, wie es der Glaube in Indien oder China lehrt.«

Worauf ich sagte: »Ich habe von einer Geschichte gehört, die unter ihnen geht. Ein Mann hatte einen Weinberg, und als er starb, hinterließ er ihn seinem Sohn. Der junge Mann arbeitete in dem Weinberg, aber als die Trauben reif waren, kam jeden Abend ein Wolf hinein und fraß die Frucht. Der junge Mann versuchte ihn zu verjagen, aber er kehrte jeden Abend wieder. Und in einer Nacht rief der Wolf laut: ‚Soll ich nicht von den Trauben essen dürfen, ich, der ich den Weinberg pflanzte?’ Da staunte der Mann und fragte: ‚Wer bist du denn?’ Der Wolf antwortete: ‚Ich bin dein Vater.’ Und der junge Mann fragte: ‚Wenn du wirklich mein Vater bist, so sprich, wo hast du denn das Gartenmesser hin? Denn ich habe es nicht gesehen, nachdem deine Seele deinen Körper floh!’ Da führte ihn der Wolf an den Ort, wo er das Messer hingelegt hatte, und der junge Mann glaubte, ja wußte nun, daß der Wolf sein Vater war.«

Der Kādi ließ den Beweis unbeachtet.