»Sie sind ohne Zweifel große Lügner,« sprach er.

Später fragte ich ihn, ob er mit den Behā'is bekannt wäre. Er erwiderte:

»Wie Ew. Exzellenz wissen, hat der Prophet (Gott schenke ihm ewigen Frieden!) gesagt, daß es 72 falsche und nur ein wahres Glaubensbekenntnis gibt; ich aber weiß, daß von diesen 72 wenigstens 50 in unserm Lande zu finden sind. So viel von den Behā'is und ihresgleichen.«

Ich erwiderte, daß Propheten allein befähigt wären, echten und falschen Glauben zu unterscheiden, und daß wir in Europa, denen keine solchen zur Seite stehen, es für eine schwere Sache halten.

»Es ist mir gesagt worden,« entgegnete der Kādi, »daß in Europa die Gelehrten die Propheten sind.«

»Und sie gestehen ein, daß sie nichts wissen,« gab ich zur Antwort. »Ihre Augen haben die Sterne erforscht, und doch können sie uns nicht die Bedeutung des Wortes Unendlichkeit erklären.«

»Wenn Sie damit das unendliche Himmelsgewölbe meinen, so wissen wir, daß es von den sieben Himmeln ausgefüllt wird.«

»Und was befindet sich jenseits des siebenten Himmels?«

»Wissen Ew. Exzellenz nicht, daß die Zahl Eins der Anfang aller Dinge ist? Können Sie mir angeben, was vor der Zahl Eins kommt, so will ich ihnen sagen, was sich hinter dem siebenten Himmel befindet.«

Der Pascha lachte und erkundigte sich, ob der Kādi mit seiner Beweisführung zu Ende sei. Dann fragte er mich, was man in Europa vom Gedankenlesen hielte. »Denn,« fuhr er fort, »vor einem Monat wurde ein wertvoller Ring in meinem Haus gestohlen, und ich konnte den Dieb nicht finden. Da kam ein gewisser, mir befreundeter Effendi, der von der Sache gehört hatte, zu mir und sagte: ‚Ich kenne einen Mann im Libanon, der sich auf diese Dinge versteht.’ Ich bat, ihn holen zu lassen. Der Mann kam und forschte in Homs nach, bis er eine Frau gefunden hatte, die das zweite Gesicht besaß. Dank seinen Beschwörungsformeln sagte sie endlich aus: ‚Der Dieb heißt so und so; er hat den Ring in seinem Hause.’ Wir suchten und fanden das Juwel. Dies sind meine Erfahrungen, denn die Sache hat sich unter meinen Augen zugetragen.«