Dieser Fries ist den Bauten des 6. Jahrhunderts in Nordsyrien eigen. Die Wohnhäuser von Burdjkeh waren einfache, viereckige Hütten und aus vieleckigen Steinen erbaut. Mūsa kundschaftete ein neugeöffnetes Grab in der Nähe der Kirche aus. Mit etwas Mühe gelang es mir, hineinzukriechen; ich wurde aber belohnt, denn in einer der Nischen fand ich das Datum 292 der Antiochischen Zeitrechnung eingegraben. Es entspricht unserm Jahr 243 n. Chr. Unter der Jahreszahl befanden sich drei Zeilen arg verwitterter griechischer Schrift. Wir ritten weiter und gelangten eine halbe Stunde später nach Surkanyā, einem verlassenen Dorfe, das ganz reizend am Anfange eines flachen, felsigen Tales liegt, in dem sogar einige Bäume zu finden sind. Die Häuser waren von außergewöhnlich massiver Konstruktion; schwerfällige Steinbalkone bildeten eine Art Vorraum über der Tür. Eins trug ein Datum, das Jahr 406 n. Chr. Die Kirche war der zu Burdschkeh fast ganz gleich. Dreiviertel englische Meilen weiter nördlich lag Fāfertīn; hier begann es zu regnen. Wir suchten Zuflucht in einer Apsis, dem letzten Überrest einer Kirche, die grob gebaut war, aber größer als eine der bisher gesehenen.[14]

[14] Butler berichtet in seinen Aufzeichnungen, daß diese Kirche die Jahreszahl 372 n. Chr. trägt und damit den Vorzug hat, diejenige Kirche Syriens, wenn nicht der ganzen Welt zu sein, die das älteste Datum aufweist.

Grabmal, Kāturā.

Das Dorf war von einigen Familien der Jezīdi-Kurden bewohnt. In strömendem Regen ritten wir eine Stunde nordostwärts nach Chirāb esch Schems, konnten hier aber infolge des Wetters nichts vornehmen. Wir eilten deshalb weiter über Kalōteh nach Burdj el Kās, wo ich meine Zelte auf einer feuchten Wiese errichtet fand. Mūsa zeigte sich sehr betrübt über den heftigen Regen, denn, wie er sagte, war das feuchte Frühjahr seinen Feldern verhängnisvoll, da alle Erde von den hochgelegenen Stellen in die Täler hinabgewaschen wurde. Noch ist das Bloßlegen des Gesteins, das die Fruchtbarkeit Nordsyriens so herabgemindert hat, in vollem Gange. In Burdj el Kās krönte ein viereckiger Turm den Gipfel des Berges, einige alte Häuser waren wieder instandgesetzt und von den Kurden bewohnt. Der Querbalken einer Tür trug die Zahl 406 n. Chr., ein anderer eine sehr schwer zu entziffernde Inschrift. Das Ende dieses Steines wurde durch die Ecke eines wiederaufgebauten Hauses verdeckt, ein Blick dahinter aber ließ mich gerade noch erkennen, daß sich am äußersten Rande eine kleine Verzierung befand. Der Besitzer des Hauses war der Meinung, daß dieselbe eine Madonna darstelle. Das wäre nicht nur eine bemerkenswerte Vermehrung der spärlichen Skulpturen Nordsyriens gewesen, sondern auch ein neuer theologischer Ausblick; ich drückte deshalb mein Bedauern aus, die Ecke nicht genauer sehen zu können. Sofort holte mein Freund eine Spitzhacke und schlug damit ein Stück seines Hauses ab: die Jungfrau Maria erwies sich als ein römischer Adler.

Chirāb esch Schems.

Chirāb esch Schems, Skulpturen im Innern eines Grabes.