[16] Die alten Stätten im Djebel Bārischa sind von der amerikanischen Expedition bereist und beschrieben worden.
Grab zu Dāna.
Bāb el Hawa.
Da wir uns vergeblich nach einem Pfad umsahen, der uns hinaufführen sollte zu den Ruinen, die im leuchtenden Nachmittagssonnenschein oben am Berghang lagen, lenkten wir unsre Tiere endlich mitten in das Geröll und das blühende Dornengestrüpp hinein. Aber selbst die Ausdauer der syrischen Pferde kennt eine Grenze, und die unseren waren fast an derselben angelangt, nachdem sie schon den ganzen langen Tag über Felsgestein geklettert. Überdies stand uns noch ein wer weiß wie langer Ritt bis zu unserm Lager bevor. Und doch mochte ich die verlockend schimmernden Mauern, die so greifbar nahe über mir lagen, nicht aufgeben; ich gebot daher dem widerwilligen Nadjīb, unten mit den Pferden auf mich zu warten, und kletterte allein hinauf. Schon neigte sich der Tag, und ich eilte schnell vorwärts, aber die Erinnerung an diesen hastigen Stieg über die steilen Felsen, die halb in Blumen begraben und von der Sonnenhitze durchglüht waren, wird mir nicht so leicht aus dem Gedächtnis schwinden. Eine halbe Stunde später stand ich am Eingang der Stadt vor einer prächtigen Basilika mit der schönsten abwechslungsreichsten architektonischen Ausschmückung. Jenseits derselben lagen die verfallenen Straßen, alles Lebens bar, am Berghange die Häuser, die mit Skulpturen geschmückten Balkone, die tiefen, überwölbten Torwege, die säulenbestandenen Marktplätze, — alles war vom goldenen Sonnenlicht überflutet. Aber ich strebte noch einem weiteren Ziele zu. Ich stieg einen breiten, gewundenen Weg hinan, bis die Stadt und die blumigen Wiesenhänge hinter mir lagen, und der Pfad an einem tiefen Abgrund endete. Nichts mehr lag zwischen mir und dem Kamme des Bergzuges als eine schroffe Felswand. Das Gebirge war nämlich hier durch steile Schluchten zerrissen, deren Böschungen sonnenbeglänzte, fruchtbare Ebenen einschlossen, der obere Rand dieser Schluchten aber trug auf einem schmalen Felsplateau einen kleinen lieblichen Tempel. Ich ließ mich an dem Tore nieder, durch welches die Andächtigen in den Tempelhof geschritten waren. Unter mir lagen der Nordabfall des Djebel Bārischa, breite, schöne Täler und die schneegekrönten, von warmem Dunst umschleierten Häupter des Giour Dāgh. Stadt, Tempel und Berg, alle lagen sie gleich verödet, nur weit drüben auf felsigem Pfad blies ein Hirtenknabe seiner zerstreuten Herde eine wilde, süße Melodie. Der Ton der Rohrpfeife ist so recht die Stimme der Einsamkeit: getragen von den Wellen der Gebirgsluft, die vom Hauch der Blumen durchduftet, von den Strahlen der sinkenden Sonne durchglüht war, schallte sie schrill, klar und leidenschaftslos herüber zu dem Tore des Tempels. Menschen waren gekommen und gegangen, das Leben war an den Flanken des Berges heraufgeflutet und wieder geebbt, die alten Götter aber waren zurückgeblieben und streckten ihre Zepter über die in friedlicher Einsamkeit und Schönheit liegenden Felsen und den blühenden Dorn.
Tempeltor, Bākirha.