Apsis, Kalb Lōzeh.
Wie ich früher gehört oder gelesen, befanden sich in den Bergen bei Kalb Lōzeh einige drusische Niederlassungen, die von Auswanderern aus dem Libanon bewohnt wurden, da ich aber noch keine gesehen, hatte ich ihr Dasein fast ganz vergessen. Nun standen in der Nähe der Kirche ungefähr ein halbes Dutzend Hütten, deren Bewohner herauskamen und mir beim Photographieren zusahen. Und siehe da, es traf mich ein wohlbekannter Blick aus kohlschwarzen Augen, es fielen mir gewisse Eigentümlichkeiten im Benehmen auf, die zwar schwer zu beschreiben sind, die aber in ihrer Gesamtheit bei mir den Eindruck freundschaftlicher Vertrautheit, mit Wohlwollen gepaart, hervorriefen. Als sich die Frauen der kleinen Gruppe zugesellten, hafteten meine Augen auf den silbernen Ketten und Schnallen, die sie trugen, und die ich, wie ich mich dunkel erinnerte, schon früher gesehen hatte. Beim Abschied trat ein ältlicher Mann vor und erbot sich, uns eine Stunde weit zu begleiten, da der Weg nach Hārim schwer zu finden sei, wie er sagte. Noch waren wir keine hundert Schritte zusammen gegangen, als mir die Bedeutung meines unbewußten Wiedererkennens klar wurde.
»Mascha'llah!« sagte ich, »ihr seid Drusen.«
Ängstlich blickte sich der Mann nach Nadjīb und Michaïl um, die uns auf dem Fuße folgten, dann nickte er mit dem Kopfe und schritt ohne zu sprechen vorwärts.
»Du brauchst dich nicht zu fürchten,« tröstete ich, »der Soldat und mein Diener sind verschwiegene Männer.«
Da nahm er sich ein Herz und sprach:
»Etliche von uns wohnen hier in den Bergen, aber wir fürchten die Mohammedaner und verheimlichen vor ihnen, daß wir Drusen sind, damit sie uns nicht verjagen. Es sind nicht über 200 drusische Häuser, alles in allem.«
»Ich hatte mich schon auf euch gefreut,« entgegnete ich, »denn ich kenne die Scheichs im Haurān; sie haben mir viel Freundlichkeit erwiesen. Deshalb will ich alle Drusen begrüßen, wo ich sie auch finde.«
»Allah,« sagte er, »kennst du den Turschan?«
»Bei Gott!« erwiderte ich.