»Schibly und seinen Bruder Jahya?«

»Jahya kenne ich, aber Schibly ist tot.«

»Tot!« rief er aus, »Allgütiger — Schibly tot?«

Und so entlockte er mir alle Neuigkeiten aus dem Gebirge und lauschte mit atemloser Aufmerksamkeit den mancherlei Geschichten, für die ich, so weit von Salchad entfernt, kein williges Ohr zu finden erwartet. Plötzlich stockte sein Fragen, er verließ den Weg und trat auf einen Weingarten zu, in dem ein junger Mann die Stöcke verschnitt.

»Oh mein Sohn!« rief er, »Schibly el Atrasch ist tot! Borge mir deine Schuhe, daß ich mit der Dame nach Hārim gehen kann, die meinen sind zerrissen!«

Der junge Mann näherte sich und zog währenddes seine roten Lederpantoffeln von den Füßen.

»Wir sind Gottes!« sagte er. »Ich habe Schibly zuletzt vor einem Jahr gesehen.« Und die Kunde mußte ihm in ihren Einzelheiten wiederholt werden.

Während wir über die steinigen Berggipfel dahinzogen, und unsre Füße das Seidelbastgestrüpp streiften, das in üppiger Fülle die Hänge überwucherte, plauderten wir, als wären wir alte, lange getrennt gewesene Freunde. Als wir den Rand des Djebel el 'Ala erreichten, sahen wir Hārim unter uns liegen, und ich bestand darauf, daß mein Begleiter sich die Mühe weiteren Mitgehens erspare. Mit großem Widerstreben nur gab er nach und goß fünf Minuten lang all seine Segenswünsche über mich aus, ehe er Abschied nahm. Schließlich kehrte er nochmals um, um sich zu versichern, ob wir ihn auch bezüglich des Weges richtig verstanden hätten.