Der schwerste Streek kam: er mußte es seinem Jungen sagen.

Als er rief, sagte Störtebeker hastig zu Kap Horn: „Un ik goh ne mit un goh ne mit!“ Dann trat er in den Lichtkreis.

Klaus Mewes studierte das Wetterglas, als er es ihm sagte.

Störtebeker erwiderte kein Wort. Er hatte das Gefühl, als ob sein Vater ihn schlüge, und bei Schlägen sagte er nichts. Seemann richtete sich an seinem Bein auf, als wenn er ihn trösten wolle: er wurde es gar nicht gewahr. Hätte seine Mutter ihn in diesem Augenblick umarmt, er hätte etwas Häßliches getan, aber sie war klug genug, es nicht zu tun.

Erst als er nachher draußen auf der Diele in der Segelkoje lag (denn in seines Vaters Koje war kein Platz mehr für ihn und bei Kap Horn wollte er nicht schlafen), löste sich der Bann und er wimmerte wie ein wundes Tier, die ganze Nacht, weil sein Vater ihn nicht wieder mit nach See haben wollte. Er glaubte, sie hörten ihn nicht, aber sein Vater, der auch nicht schlafen konnte, hörte ihn wohl, und wenn er nicht gefürchtet hätte, Gesa oder die Leute möchten es merken, so wäre er aufgestanden und zu seinem Jungen in die Koje gekrochen.

In den Wanten brauste der Wind und schwerer Regen klatschte auf das Deck.

Den andern Morgen half Störtebeker noch getreulich beim Pumpen, während seine Mutter schon seine Sachen einpackte, die er mithaben sollte. Sie hatte gelernt, wie die beiden genommen werden mußten, und handelte danach.

Klaus Mewes ging auf dem Achterdeck auf und ab und guckte den Heben an, aber ohne Teilnahme. Er hätte lieber einen schweren Sturm auf der großen Fischerbank ausgestanden, als daß er nun seinen Jungen von Bord jagen mußte wie einen unbrauchbaren, seekranken Koch! Im Traum hatte er gesehen, daß Störtebeker sich im letzten Augenblick an den Wanten angeklammert hatte: mit Gewalt hatte er ihm die Hände lösen müssen: dann war er unter die Winsch gekrochen, zuletzt war er sogar in den achtersten Mast geklettert und hatte gerufen: Holst du mi dol, Vadder, denn riet ik dien Flagg twei! Da hatte der Wind stark aufgeheult und ihn aufgeweckt.

Störtebeker half beim Deckschruppen und sprach mit dem Knecht und dem Jungen, aber mit seinem Vater sprach er nicht. Als sähe er ihn nicht, so tat er.

Da guckte Gesa aus der Kapp und rief: „Kumm, Klaus, du müß di klor moken!“ Sie war schon ganz angezogen, dunkel wie das Schicksal selbst.