Er sagte aber nichts.
* *
*
Auf dem Bahnhof drängte Gesa zum Einsteigen, obwohl noch Zeit genug vorhanden war. Sie suchte einen guten Fensterplatz in der Mitte des Zuges aus und blickte mit ihrem Jungen aus dem Fenster. Die Lokomotive pfiff und die Wagen setzten sich langsam in Bewegung.
„Adjüst, mien Jung!“
„Adjüst, Vadder, jüst, Seemann!“
Störtebeker blickte noch lange Zeit starr aus dem Fenster und winkte, bis Gesa ihn wortlos an sich zog. Da löste es sich in ihm und er legte den Kopf auf ihren Schoß und weinte bitterlich. Da beide allein in dem Abteil waren, sagte sie nichts dagegen, sondern strich ihm nur leise und weich über das sonnenhelle Haar.
* *
*
Klaus Mewes aber ging langsam und in Gedanken nach seinem Ewer zurück. Seemann blieb manchmal fragend stehen, denn es ging nicht den richtigen Weg. Erst als sie beim Petroleumhafen inmitten der hohen, weißen Erdöltanks waren, merkte der Seefischer, daß er sich verlaufen hatte, und ging über die Geleise zurück. Wie in eine Totenkammer trat er in seine Kajüte und ließ sich müde auf die Kojenbank fallen, denn er hatte einen schweren Streek hinter sich.
Was für einen sonderbaren Traum hast du gehabt, Klaus Mewes, sprach eine Stimme in ihm, dir träumte, daß Gesa gekommen sei und den Jungen mitgenommen hätte, und du weißt doch ganz gut, daß der kleine Klaus Störtebeker vor der Weser über Bord gekommen und ertrunken ist: sie haben es ja sogar schon am Deich laut erzählt!
Den Tag schmeckten ihm keine Arbeit und kein Essen, denn der Junge fehlte ihm dabei. Überall guckten ihn die klaren, lachenden, blauen Augen an. Ruhelos ging er vom Deck in die Kajüte und wieder nach oben, als ob er etwas verloren hätte, das er nicht wiederfinden könne. Er war gänzlich aus dem Kurs gekommen und hatte einen heißen Zorn auf sich, daß er sich so hatte überteufeln und unterkriegen lassen.