Endlich kamen sie an: Hein Mück wriggte, wie es ihm als Jungen zukam, Seemann stand auf der vordersten Ducht als Lotse, Klaus Mewes und Kap Horn saßen im Mittel auf der Mastenducht und der Kahn schleppte an der Kette nach.

Es wurde aber auch hohe Zeit, denn Störtebeker hatte schon mehrmals seine Hand ins Wasser gesteckt und wenn es noch länger gedauert hätte, hätte er sich nackt ausgezogen und wäre nach dem Ewer geschwommen.

„Seemann, Seemann, biet mi doch ne de Nees af,“ lachte er nun und wehrte dem Hunde, dann griff er nach seinen großen Stiefeln und trug sie im Triumph den Deich hinan, der Herold der langsam nachkommenden Seefischer. Seemann, der auch etwas tragen wollte, hatte sich ein Stückchen Segeltuches aus dem Boot geschnüffelt und schleppte sich damit ab.

Da war große Freude auf dem Neß: erst tranken sie köstlichen Kaffee in der Küche, und die gelben Birnen und rotbackigen Äpfel, die sich leicht im Winde wiegten, lachten sie von draußen an. Und köstlich war die Fragerei von Störtebeker nach dem Wetter und nach dem Fang: er hörte nicht eher auf, bis er die ganze Reise von Streek zu Streek wie ein buntes Bilderbuch vor sich ausgebreitet sah.

Gesa wunderte sich auch sehr über seine große Munterkeit und sie sah Klaus mehrmals bedeutsam an; er wußte aber nicht, was sie damit sagen wollte.

Nach dem Kaffee hängte Störtebeker mit Hein Mück die Scharben auf, dann versorgte er die Nachbarschaft mit Schollen vom letzten Hol und half die Fische zumachen, die sie selbst braten wollten, denn er konnte schon Flossen und Steerte abschneiden. Alle seine Unlust war verweht und verflogen: er lebte und lachte wieder. Er schipperte mit seinem Vater, in dessen Augen auch ein Leuchten stand, an Bord und ging wieder auf seinem großen, schönen Ewer umher, er pumpte und schruppte, er bewegte das Ruder, als wenn er steuerte, er drehte die Winsch, um sich an das Einziehen der Kurre erinnern zu lassen, er kletterte in die Wanten, als wenn er den dicken Neuwerker Feuerturm an der Kimmung suchen wollte, er blickte nach dem Kompaß und nach allem.

Den Abend saß er oben im Wipfel des Lindenbaumes vor der Tür und piepte wie ein Sperling, während sein Vater und seine Mutter, Kap Horn und der Jäger in der Dämmerung auf der Bank saßen, nach den Lichtern auf der Elbe guckten und in geruhigem Gespräch verweilten. Als der Spatz aber gar nicht ins Nest wollte, ergriff Klaus Mewes ihn zuletzt an den nackten Beinen, zog ihn herunter und steckte ihn in die Kapuze.

* *
*

In der Nacht um zwei lief der Wecker ab. Klaus Mewes und Störtebeker standen auf und zogen sich an, dann gingen sie im Dunkel den Deich entlang nach der Neßkule, in der der Kahn lag. Es war nebelig und naßkalt. Die Bäume tropften und in den Pappeln saß ein Flüstern, wie die Seen es an sich haben, wenn sie um den Steven glucken. Auf den Feldern braute der Fuchs.

Störtebeker trug ein dickes, wollenes Halstuch und hatte seine großen Stiefel an. Sie kletterten schweigend in das Fahrzeug und stießen vom Lande ab. Der Junge wriggte. Neben ihnen rauschte das Reet und in der Schleuse murmelte das Wasser. Auf der Wisch lagen die schwarzen Kühe regungslos im Gras und erwarteten den Morgen. Eine wilde Ente flog auf und verschwand surrend.