„Ne, Mudder, knokendreuch!“
„Lot mol feuhlen! De un dreuch? De leckt jo vör Nattigkeit. Gliek treckst jüm ut!“
Störtebeker machte ein saures Gesicht, aber er freute sich doch, daß sie weiter nichts merkte, und wischte heimlich die letzten Spuren des Seefestigkeitskursus ab.
Nach dem Abendbrot wurde das Knütten noch eine Weile wieder aufgenommen, dann aber packten sie das Kurrengut zusammen und machten Feierabend.
Kap Horn suchte sich die alten Zeitungen aus der Bank hervor und las den Roman: „Zehn Jahre unter der Erde oder Schuld und Sühne“ mit aufgestützten Ellbogen. Wenn er dabei an Stellen kam, die ihm behagten, so nickte er anhaltend mit dem Kopfe, wogegen er bei Kapiteln, die nicht nach seiner Klitsch waren, ebenso ausdauernd den Kopf schüttelte. Ja, man konnte noch mehr aus seinem Gesicht erkennen, denn wenn er von Wind oder Sturm las (und in einem echten Roman weht und stürmt es ja alle drei Seiten!), so pustete er leise vor sich hin, las er von Liebe, so strich er sich über die Backen, gab es eine Mordgeschichte zu kauen, so las er mit geballten Fäusten und so weiter. Wenn sie sturmeshalber achter Norderney oder Wangeroog lagen, beobachtete Klaus, in der Koje liegend, seinen lesenden Knecht mitunter stundenlang und sagte dann zuletzt: „Nu will ik di mol vertillen, Kap Horn, wat du lest hest.“ Und meistens stimmte es, was er dann erzählte, daß der Knecht zuletzt jedesmal erstaunt sagte: „Klaus Mees, ik gläuf, du kannst hexen.“
Diesen Abend aber kam der Schiffer nicht dazu, denn sein Junge ritt auf seinen Knien und treunte um eine Geschichte.
„Ik weet uppen Stutz keen.“
„Och Vadder, vertill doch een! Du weest so veel.“
„Ne, ik kann nu keen tohopgrabbeln.“
„Och, man to, Vadder!“