„Non jo, denn ober ganz still wesen un eulich tohürn un noher ne wedder seggen, dat wür jo gorkeen Geschichte.“

„Ne, Vadder, dat segg ik ok ne,“ versicherte Störtebeker, und sein Vater legte los.

„Non, denn hür to: dor wür mol en Mann, de harr keen Kamm, to köfft he sik een, to harr he een ...“ Da hielt der Junge seinem Vater aber schon den Mund zu und paukste: „Dat is keen Geschichte, dat is Narrenkrom! Du schallst en euliche Geschichte vertillen!“

„Non, denn hür to: dor wür mol en Mann, de wür in de Heid verbiestert, nu hür man god to! Dor wür mol en Mann, de wür in de Heid verbiestert ...“ Da hielt Störtebeker ihm wieder den Mund zu und sagte, das wäre auch Tüdelei un he kunn en euliche Geschichte verlangt wesen.

„Non, denn hür to: to sett he sien Hot uppen Disch un seggt: non denn so wißt, ich selbst bin Klaus Störtebeker!“

O weh — das hätte Klaus Mewes doch wohl lieber nicht vorbringen sollen, denn nun tagelte Störtebeker ihn regelrecht durch und heischte zwar etwas von Klaus Störtebeker, aber etwas andres, nicht immer diesen einen Satz, den er schon tausendmal gehört habe.

Kap Horn legte den Finger auf das letzte Wort, das er gelesen hatte, sah auf und sagte: „Klaus Störtebeker büst du jo sülben, Junge, dor brukt di doch keeneen wat von to vertellen.“

Gesa aber, die einen Flicken auf die englischlederne Hose setzte, sagte abweisend: „Lot den olen Seeräuber man ünnerwegens un näumt den Jungen man ne jümmer Störtebeker. Den olen slechten Nom ward he jo sien ganz Leben ne wedder los.“

„De Nom is gornich so slecht, Gesa,“ sagte Kap Horn ernsthaft, während Klaus Mewes lachte und meinte, den Namen habe er einmal weg. Klaus Störtebeker sei übrigens gar kein schlechter Mensch gewesen, wohl habe er den reichen Kaufleuten und den Königen ihr Gold und Gut weggenommen, aber den Armen habe er viel Gutes getan, noch jetzt würden die armen Leute zu Verden von seinem Geld gespeist. Und mit den Fischern habe er es auch nicht bös gemeint: er störte sie nicht und wenn er Fische holte, so bezahlte er sie reichlich.

So erzählte Klaus Mewes, was die Sage an der Wasserkante zusammengetragen hat von den Vitalienbrüdern und ihrem Hauptmann Klaus Störtebeker — und der kleine Klaus Störtebeker saß mit funkelnden Augen und glühenden Backen dabei und konnte nicht genug hören, wie sie Kopenhagen in Brand steckten, wie die zerfetzte gelbe Flagge im Sturme flatterte, wie sie mit den Hamburger Schiffen umsprangen, wie sie Ritzebüttel und Neuwerk wegnahmen und wie sie den schottischen König gefangen hielten. Als Klaus aber weiter ging und von dem großen, breiten Graben auf Finkenwärder erzählte, der die kleine Elbe hieß, und daß Störtebeker dort oft mit seinen Schiffen auf der Lauer gelegen habe, da sprang der Junge auf, daß Kap Horn ausrief: „Neem is dat Für?“ und fragte: „Vadder, neem is de Groben?“