Störtebeker tat, als sähe er ihn gar nicht, denn er dachte an die Schläge vom Abend vorher, aber der Alte hatte seine Wut verschnarcht und sagte vergnügt: „Meun, Klaus Störtebeker!“ Störtebeker dachte aber: snack, soveel du wullt, wat geiht mi dat an, — obgleich die Enten durcheinander schnatterten: meunmeunmeunmeun und er gern einmal in den Sack geguckt hätte, auch von Herzen gern mit auf die Jagd gegangen wäre.

Als der Jäger vorbei war, setzte er sich auf das Rickels und wartete, daß einige von seinen Mackern kommen sollten, mit denen er in die Pütten oder nach der Wisch ziehen konnte. Niemand ließ sich blicken: die Mütter hielten sie fest, denn die Schustergeschichte hatte schon die Runde mit den Stutenfrauen gemacht, und auch die Reise über das Eis war schon bekannt geworden. Ihre Jungen sollten sich nicht mehr mit dem Buschräuber abgeben, riefen die Frauen einander zu.

„Hein, du bliffst hier un geihst mi ne no den Neß no den Störtebeker, hest mi verstohn?“ „Jo, Mudder!“

In seiner Not nahm Störtebeker schließlich die Hechtschnarre zur Hand und lief mit dem Bambusstock grabenauf und grabenab, um einen Hecht zu erwischen, aber er hatte auch damit kein Glück: es war nicht sonnig genug, die Hechte standen tief im Wasser und waren sehr scheu, sie schossen meistens schon in die Tiefe, wenn er näher kam. Einmal gewahrte er einen großen Hecht, der gut gegen die Sonne stand: behutsam tauchte er die goldige Drahtschlinge in das Wasser, ohne Wellenringe zu machen, und schob sie vorsichtig an den Fisch hinan. Es ging auch anfänglich gut: die Schnauze war schon in der Schnarre: wenn er hinter den Kiemen war, wollte er rasch zuziehen und den Hecht aufs Land schnellen, aber da strich eine Krähe über die Erlen, und wo eben noch Muschi Pundsheek gestanden hatte, da lief nun ein Küsel im Wasser.

„Du verdreihte Jakob du!“ rief Störtebeker ärgerlich und warf mit einem Kluten nach ihr, dann gab er die Feekfischerei auf und zog mit seinem runden Netz nach der Sielkule, um Stichlinge zu fangen. Das war lohnender: er ketscherte einen halben Eimer voll, weiße, dicke Weibchen und graue, dünne Männchen. Den größten Teil bekam die Mutter, die sie für die Hühner kochen wollte, den Rest aber machte er, auf der Bank unter den Linden sitzend, mit seinem Knief, seinem Puggenslachter, für Kluß zurecht, indem er die Köpfe und die Stacheln abschnitt. Die alte Krähe lebte ordentlich auf, als er ihr den Schmaus durch die Maschen des Kastens stopfte.

Als er sich dann aber vor den Käfig auf den Haublock setzte und ihr ununterbrochen die drei Worte vorpredigte, die sie lernen sollte: „Höh, Klaus Mees!“ da sprang sie auf ihre Stange, hielt den Kopf schief, als wenn sie schwerhörig wäre, und öffnete mitunter verlangend den Schnabel, als wenn sie um weiter nichts als um neue Stichlinge verlegen wäre, sie krächzte auch einmal, aber zum Nachsprechen kam sie nicht, so eifrig der Junge sich auch um sie bemühte, denn er wollte seinen Vater nach getaner Reise damit überraschen: der sollte sich fix verjagen, wenn er in den Hof hineinging und es mit einem Male rief: Höh, Klaus Mees! Eigentlich sollte die Krähe lernen: De Jung mütt no See! — aber das sollte nun erst später eingeübt werden. Diesmal war die Geduld freilich noch nicht groß.

„Du büst dummerhaftig, Kluß!“ sagte Störtebeker ärgerlich, „wenn du ne bald snackst, bring ik di keen Steengrimpen mihr her.“

Nach dem Mittagessen — Plummensaus gab es, eine Götterspeise für ihn — machte er sich ans Knütten und dachte, mehr zu beschicken als zwei Tage vorher zwischen seinem Vater und Kap Horn bei dem vielen Erzählen und Ausgucken. Er knüttete emsig, ohne sich zu verpusten, die Nadel flog nur so, aber nach anderthalb Stunden sah er ein, daß es ohne seinen Vater doch nichts schaffte.

Da ging er mit dem Euschfatt nach der Neßkule und goß den Kahn leer, der immer noch etwas Wasser machte. Kalfatert mußte der werden, das war ein Apfel, und wenn sein Vater nicht so auf den Stutz gefahren wäre, hätten sie es auch zusammen getan: nun mußte er wohl allein dabei.

Er sah auf: das Wetter war gut, der Wind mooi: sie fischten wohl schon und hatten bald die Reise! Wenn sie doch schon morgen kämen oder übermorgen!